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Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Mittwoch 23. Februar 2005, 19:55
von Thomas Krapfenberger
Hier wird in letzter Zeit heftig die eine gegen die andere Scan-Software ausgespielt. Beim einen verschwindet SilverFast vom Rechner, weil VueScan bessere Ergebnisse liefert, ein anderer erzielt mit der Reflecta Software CyberView beste Ergebnisse, während der andere nur darüber schimpft u.s.w.
Leute, wer glaubt, dass ein Scanner mit irgendeiner Software automatisch gute Bilder liefert, der IRRT! Äußerungen wie die obigen sollten NUR Leute abgeben, die sich mit Farbmanagement auseinandergesetzt haben. Wenigstens sollte der Bildschirm kalibriert sein, am besten der Scanner noch dazu. Wenn bei einem IT8-kalibrierten Scanner dann eine Software bessere Bilder liefert als die andere, dann bitte DICK posten, aber nicht einfach Zufallsergebnisse.
Man kann auch nicht zwei Kameras miteinander vergleichen, indem man einfach mal den Auslöser drückt und auf den Bildabzug wartet. Man sollte schon die Lichtverhältnisse und die Einstellmöglichkeiten der Kamera beachten.
In diesem Sinne sollte JEDER, der sich über eine Scan-Software positiv oder negativ äußert, sich mal mit dem Thema Farbmanagement intensiv befassen. Es gibt hervorragende Bücher dazu.
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Mittwoch 23. Februar 2005, 20:29
von Joe
Ich denke auch bei dem Thema wird sehr viel übertrieben. Wenn ich hier lese das bei vielen nach der Kalibrierung der Bildschirm nun einen "Farbstich" hat an den man sich "wohl erst gewöhnen muss"?? Was hat das denn mit der Realität zu tun?
Ich habe bisher den Bildschirm nicht kalibriert, genau so wenig wie den Drucker. Wenn die Scans an drei TFT und zwei CRT gut aussehen - was zum Kuckuck soll ich da noch Kailibrieren?
Dann sind auch die Ausdrucke und Abzüge hervorragend - also warum noch ca. 200€ für ein Gerät zur Bildschirm Kalibrierung ausgeben.
Da Du den Bildschirm offenbar kalibriert hast bin ich natürlich sehr an Deinen Erfahrungen interessiert: was hat sich bzw. hast Du geändert nachdem Du den Bildschirm kalibriert hast? Hast Du einen TFT oder einen CRT? Was hast Du zur Kalibrierung verwendet? (Colorvision Spyder o.ä.?) Gab es bei Dir nach der Kalibrierung auch einen "Farbstich"?
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 01:49
von tristan
Ich habe den Bildschirm kalibriert - dennoch sind meine Prints viel dunkler etc. Komme (noch) auf keinen grünen Zweig.
Ich finde, du hast recht viel Glück (oder ich bin zu kritisch).
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 01:53
von Joe
Ist denn nach dem Kalibrieren was besser geworden? Was Du sagst bestätigt so nur meine Aussagen.
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 09:29
von Patrick Wagner
Stell dir vor, dein Scanner produziert Scans mit 20% zu viel Rotanteil und dein Bildschirm stellt Bilder mit 20% zu wenig Rotanteil dar. Du bist ein glücklicher Mensch und lobst deinen Scanner und deinen Bildschirm. Sobald du eines Tages einen neuen Bildschirm kaufst verstehst du die Welt nicht mehr...
Ist übertrieben, aber die Kernaussage macht die Notwendig von Farbmanagement klar.
Wer nun einen Scanner hat, der 20% zu viel Rot produziert, mag zunächst auf seinen Scanner oder gar die Scansoftware schimpfen. Dabei wäre alles mit einem IT-8 und einem erstellten ICC-Profil gelöst.
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 09:35
von Patrick Wagner
Farbmanagement ist ein komplexes und schiergar unerschöpfliches Thema, in das sich nicht jeder einarbeiten möchte.
Wer mit seinen Scans, Bildschirmdarstellungen und Prints zufrieden ist, der sollte dies auch bleiben. Wer sich auf irgendeine Art über schlechte Farben beklagt, der sollte seinen Frust nicht an einem Gerät auslassen sondern sich ein wenig mit Kalibrierung und Profilierung beschäftigen.
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 09:43
von Ogando
Wenn man Farbmanagement durchgehend organisiert hat, wird man sehen , dass Softwares in bestimmten Situationen bestimmte Eigenschaften haben, die je nach Situation Vor- und Nachteile haben können. Besonders zu bemerken in Farbsituationen die nicht eindeutig sind, z.B. Hauttöne bei Mischlicht. Software-Entwickler müssen sich bei diffusen Mischlichtstimmungen auf eine mathematisch basierte Definition einigen.... Ich finde, dass gerade im Farbnegativbereich manche Softwares im letzten Jahr einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht haben.
Bei konsequentem Einsatz von Farbmanagement bemerkt man zwangsläufig, dass es Softwares gibt, die voll ICC-konform programmiert sind, wie die mit dem "S" und die mit dem "V" und andere, die an entscheidenden Stellen ledigliich ICC-ähnlich sind, wie die mit dem "N", wo Rot immer nur, als chemisches Erdbeersaftrot darstellbar ist - vielleicht asiatischer Mainstreamgeschmack.
Ogando
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 12:39
von Björn
Hallo,
ich kann im Grundtenor nur meinen "Vorschreibern" zustimmen. Ohne eine richtige Kalibrierung ist eine verlässliche Aussage über die Qualität von Scans nicht möglich!
Auch möchte ich noch eine Antwort auf eine der ersten Antworten geben, dort wure geschrieben, dass es dem Autor nicht klar wäre, warum eine Kalibrierung etwas brächte, wenn man sich erst an einen "Farbstich" gewöhnen müsse.
Meine Antwort: Ich gehe davon aus, dass Du Dich auf einen meiner unzähligen Threads beziehst. Bitte probiere doch einfach mal aus Dein Monitorpreset kurz auf eine andere Farbtemperatur zu stellen, denn nur auf diesen Parameter bezieht sich die Aussage. Du wirst feststellen, dass Deine Augen einen Moment brauchen sich an die neue Farbtemperatur zu gewöhnen. Dies ist jedoch nur so, weil sich die Augen (meist) an eine zu kühle Farbtemperatur gewöhnt haben. Schaltest Du den Computer aus und machst Ihn mit den gleichen Einstellungen 10 min später wieder an, dann sehen Deine Augen das Bild ganz normal - man muss isch also an keinen "Farbstich" gewöhnen, es handelt sich nur um eine Funktion unseres Auges die Farbtemperatur in weiten Grenzen auf einen physiologisch normalen Wert (ca. 6500 K) einzustellen.
Noch kurz zu Tristan:
Wie ich schon häufig geantwortet habe, sind Deine Ausbelichtungen nicht fehlfarben. Es ist einfach nicht möglich auf einem Monitor eine Reflektive Vorlage nachzubilden. Wenn man (wie Du jetzt) dies verstanden hast, dann kannst Du Deine "Ausbelichtungsdateien" entsprechend anpassen und kommst so zum Zeil.
Björn
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 14:04
von tristan
Kann ich nicht sagen - ich weiss nur, dass du die Kalibrierung nicht auf einem Notebook-Monitor anwenden solltest (bzw. mit dem überhaupt keine Bildbearbeitung machen solltest). Denn dieser besitzt einfach nicht die Power und Strahlkraft, um Farben adäquat darzustellen.
Den neuen Mac-Bildschirm hab ich gleich kalibriert - und kann daher nicht über eine Verbesserung berichten. Es ist nur einfach so: Durch die Kalibrierung wird es deinem Bildschirm ermöglicht, ein differenziertes Bild von den dünkelsten Schatten bis zum hellsten Weiss zu zeichnen, d.h. bei einem unkalibrierten Bildschirm werden oft dunkle Bereiche verschluckt - und das ist sicher der Unterschied bei meiner Kalibration. Das Bild wird so brillianter (studiere hierfür den Graukeil, dieser sollte nach einer Kalibration differenzter sein). Ausserdem kannst du dir dann sicher sein, dass dein Monitor keinen Farbstich hat.
Was ich aber noch nicht verstanden habe: Selbst bei einer Kalibration kannst du den Weisspunkt verschieden einstellen (wärmer, kühler) - und somit wird es dann doch wieder Unterschiede, auch bei allen professionell kalibrierten Monitoren, geben! Gerade bei LCD´s ohne manuelle Einstellung von Helligkeit usw. ist es ratsam, den nativen Weisspunkt zu wählen. Dieser ist hier bei meinem Apple auch eher im gelblichen Bereich...
Gruss
Tristan
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 24. Februar 2005, 18:57
von Thomas Krapfenberger
Das menschliche Auge gewöhnt sich an vieles, und auch schlechtes kann einem normal erscheinen, wenn man sich daran gewöhnt. Deshalb gibt es Normen und Richtlinien, z.B. die des ICC.
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Freitag 25. Februar 2005, 12:14
von michah
Nur zur Klarstellung (das meiste ist schon gesagt worden).
1. Kalibrierung (des Bildschirms etc.) ist BASIS (und es ist kinderleicht).
2. Profilierung: ist nötig, wenn das Ergebnis (der Print) deinen Erwartungen (dem Monitorbild) einigermaßen oder sehr oder gar vollständig ähneln soll.
3. Es gibt gute und nicht so gute Profil-Lösungen, die Guten sind (wiedermal) etwas oder deutlich teurer (z.B. Gretag i1).
Wer ohne individuelle, selbsterstellte Profile (und sogar ohne regelmäßige Kalibrierungen) auskommt und glücklich ist: wunderbar. Manchmal wünschte ich auch, ich würde keine Fehlfarben oder "Stiche" sehen. Oder würde schneller vergessen, wie BEIM FOTOGRAFIEREN der Gesamtfarbeindruck war.
Re: Farbmanagement ist SEHR SEHR wichtig beim Scannen
Verfasst: Donnerstag 17. März 2005, 19:54
von Oliver
Hab als totaler Anfänger begonnen Dias zu scannen und mich mit viel Mühe, d.h. lesen von diversen Büchern und in verschiedenen Foren eingearbeitet.
Tatsächlich gibt es ein Problem, was schwieriger zu lösen ist: Bildschirm und Scanner zu kalibrieren ist vergleichsweise simpel. Schwierig ist es die Farben auch so aufs (Photo)-papier zu bringen. Es gibt aber z.B bei Tetenal Profile für verschiedene Papiere, was die Arbeit erheblich erleichtert. Den Workflow dann entsprechend in Silverfast und PS richtig einzustellen ist verwirrend und schwierig und um den Printer entsprechend zu konfigurieren muß man oft lange in Google nach Hinweisen suchen, wie man vorzugehen hat.Ohne das Verstehen des Prozesses bleiben die Ergebnisse zufällig.
Gleiches gilt im Übrigen für die Einstellungen des Scanners und die Reihenfolge der Bildbearbeitungsschritte. Wer diese Mühe nicht auf sich nehmen möchte sollte die Photos von Patrick digitalisieren lassen und dann bei einem entsprechenden Anbieter die Prints erstellen lassen. Scannen ist mindestens ein HOBBY !