Farbraum Scanner ProScan 10T

Fragen/Themen zu Reflecta-Filmscannern
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TuXMax
Beiträge: 52
Registriert: Donnerstag 24. Dezember 2015, 15:14

Farbraum Scanner ProScan 10T

Beitrag von TuXMax »

Hallo,

Frage zum Farbraum Scanner. Bisher habe ich vorwiegend Dias gescannt. Dazu den Scanner ProScan 10T mittels Vuescan mit einem
LaserSoft Imaging IT-8 Target Durchlicht 35mm Fuji und zugehöriger IT8-Datei kalibriert. Gilt diese Kalibrierung nur für Dias oder auch für Farbnegativstreifen? Habe nun schon einige Farbnegative, allerdings in der Einstellung "Farbraum Scanner" Standard gescannt und die sind gar nicht so schlecht. Ich stelle hier nicht den high professional Anspruch, will nur die Streifen in die digitale Welt holen.
Seit der Version 9.8 kann man in Vuescan ja auch viel mehr bei den Film-Typen einstellen, auch bei den Dias. Doch die Übersetzung von dem was einstellbar und dem was der Film ist, ist nicht so einfach. Da ich die Negativstreifen nicht selbst fotografiert habe (sind über 30 Jahre alt) ist es schwer den genauen Typ zu erkennen. Im Moment habe ich Streifen mit der Bezeichnung Porst. Dies könnte nach https://www.fotointern.ch/archiv/2016/0 ... rgestellt/ ein Fuji, AGFA oder Konica sein.
Für Dias habe ich meist
Fujichrome RD135 ISO 100/21°, CR-56 E-6
und
AGFA-Chrome CTx 36 100/21° Progress AP44/E6, 135/36 EXCL
verwendet. Diese Typen gibt es so nicht in Vuescan einzustellen.

Gruß
TuXMax
Martinus
Beiträge: 83
Registriert: Dienstag 26. März 2019, 11:37

Re: Farbraum Scanner ProScan 10T

Beitrag von Martinus »

Eine Kalibrierung auf Fuji gilt natürlich nur für genau diese Filmsorte und führt bei anderen Filmsorten unter Umständen zu Problemen. Insbesondere hilft sie nicht bei Negativfilmen. Ich arbeite nur mit Silverfast, dort wird die IT8-Kalibrierung beim Scannen von Negativen automatisch abgeschaltet, bei Vuescan wird es sicher genauso sein.

Die Vorstellung, beim Scannen von Farbnegativen müsse man nur den richtigen Filmtyp im Scanprogramm einstellen und bekomme dann automatisch farbrichtige Bilder ausgespuckt, ist leider unrealistisch. Die Farbcharakteristik eines Negativfilms ist stark abhängig von der Entwicklung, die er durchlaufen hat, und die variierte leider stark im Laufe der Zeit. Wenn man einmal eine passende Filmtypeinstellung gefunden hat, dann passt diese nach meinen Beobachtungen allenfalls für die Filme aus ein, zwei oder höchstens 3 Jahrgängen. Dann ändert sich plötzlich die Farbcharakteristik, sei es, weil die Entwicklung irgendwie verändert wurde, oder das Labor gewechselt wurde, oder der Labormitarbeiter wechselte und der neue irgend etwas ein klein wenig anders machte oder warum auch immer, jedenfalls muss man dann die Filme der gleichen Filmsorte mit einer anderen Filmtypeinstellung (oder einem selbst entwickelten neuen Profil) scannen, um zu vernünftigen Farben zu kommen. Dass die in Silverfast für bestimmte Negativfilmtypen vorgesehenen Profile tatsächlich passen, habe ich nur ganz selten erlebt. In Vuescan wird es sicher genauso sein, besonders wenn es sich um 30 Jahre alte Filme handelt. Da hilft nur Ausprobieren.
Martinus
Beiträge: 83
Registriert: Dienstag 26. März 2019, 11:37

Re: Farbraum Scanner ProScan 10T

Beitrag von Martinus »

Noch ein Tipp zum Finden eines geeigneten Profils: Ich habe mir alle vorhandenen Profile für Farbnegative in einer Tabelle systematisch geordnet nach 2 Kriterien: a) um wieviel Rot angehoben wird gegenüber Blau, b) um wieviel Grün über dem Durchschnitt oder unter dem Durchschnitt aller Linien oder gar unter Blau liegt (in Silverfast werden die Kurvenverläufe der einzelnen Profile angezeigt, anhand derer man diese Klassifizierung vornehmen kann; möglicherweise ist das auch in Vuescan so). Man kann dann nach Inspektion des Vorschaubildes mit irgend einem Profil erkennen, ob das Bild mehr Rot und weniger Blau (oder umgekehrt) sowie mehr oder weniger Grün benötigt, dann ein entsprechendes Profil in der Tabelle suchen und ausprobieren. Ich komme auf diese Weise recht schnell zu einem brauchbaren Profil; notfalls stricke ich mir selber ein passendes Profil. Ganz hundertprozentig passend sind die Profile natürlich nie, so dass man hinterher dann doch noch bei allen Bilder die eine oder andere Farbe um eine Nuance anheben oder absenken muss. Dafür sorgen schon stets vorhandene kleine Unterschiede zwischen den verschiedenen Filmen der gleichen Sorte, ähnlicher Zeit und ähnlicher Farbcharakteristik.
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Jossie
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Re: Farbraum Scanner ProScan 10T

Beitrag von Jossie »

TuXMax hat geschrieben: Samstag 20. Mai 2023, 18:30 Gilt diese Kalibrierung nur für Dias oder auch für Farbnegativstreifen?
Diese gilt nur für Dias. Für Farbnegative gibt es i.A. keine IT8-Kalibrierung.

Hermann-Josef
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8 & 9) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, xrite i1studio, Win11 (64bit), Intel i9 (3.4GHz), Speicher 64GB, Nvidia Quadro P2000
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Bobby
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Re: Farbraum Scanner ProScan 10T

Beitrag von Bobby »

Martinus,
Danke für Deine Erläuterungen, die sich auch mit meinen Erfahrungen decken und nun meinen Frusr erleichtern weil ich immer herumprobieren musste, um brauchbare Bilder zu bekommen. Als "Schwindelzettel" mache ich wo vorhanden noch einen Scan des Papierbildes und schöne diesen in einem Bildbearbeitungsprogramm. Dieses Bild ist dann oft bzw meist besser als das vom Negativscan.
Nikon Coolscan 5000ED (umgebaut), Silverfast Archive Suite 8 & 9, Win 11, Eizo CS2740, Intel i7-8700K (3.7 GHz), 32 GByte RAM
Martinus
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Registriert: Dienstag 26. März 2019, 11:37

Re: Farbraum Scanner ProScan 10T

Beitrag von Martinus »

Es freut mich, wenn meine Bemerkungen nützlich waren.

Leider sind auch die einst angefertigten Papierabzüge in vielen Fällen von Anfang an farblich schlecht gewesen, von späteren Farbveränderungen durch Alterung ganz zu schweigen. Meine Scans von den Negativen sind inzwischen (dank jahrelanger Erfahrung) in der Regel farblich, in der Helligkeit, im Kontrast und in der Schärfe unvergleichlich besser als die Originalabzüge, und das nicht nur bei unter- oder überbelichteten Bildern. Ursache der überlegenen Bildqualität der Scans ist neben der Verwendung passender Farbprofile vor allem der Verzicht auf die Bildautomatik von Silverfast. Diese bestimmt den dynamischen Bereich für jede der drei Farben in der Regel falsch, was natürlich zu erheblichen Farbverzerrungen führt. (Vuescan wird es wohl auch nicht viel besser machen.) Ich bestimme die Lage der dynamischen Bereiche von Hand anhand bestimmter Regeln bei geeigneten Bildern und übertrage dann die so gefundenen Werte auf alle Bilder eines Filmes. Eine genauere Beschreibung des Verfahrens ist hier zu finden:
https://www.filmscanner.info/SilverFastGuideNeg.pdf
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