Erfahrung zu BenQ SW240

Fragen/Themen aus den Gebieten Scannen, Bildbearbeitung, Farbmanagement etc.
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Martinus
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Martinus »

Korrekt, ich habe nicht das richtige Target für Agfa CT18 (und andere Filmsorten aus den 1950er- und 1960er-Jahren). Aber auch Silverfast hat das nicht, kann es gar nicht haben, weil diese Filme seit 40 Jahren und mehr nicht mehr produziert werden und eventuell noch vorhandene Filme nicht mehr entwickelt werden können (ganz abgesehen davon, dass sie nach 40 Jahren unbrauchbar wären). Und selbst wenn es zufällig ein Target von 1980 gäbe: Agfa hat seine Filme in den 1960er-Jahren mehrmals verändert, denn damals war die Entwicklung des Diafilms noch sehr im Fluss, das Target von 1980 wäre nicht anwendbar auf einen Agfa-Film von 1962 oder so. Kurz: bei diesen alten Filmen funktioniert das IT8-Konzept einfach nicht, es funktioniert nur bei Diafilmen aus den letzten 30 Jahren. Aus dieser Zeit habe ich aber gar keine Dias, sondern nur Negative, für die es ebenfalls keine IT8-Kalibrierung gibt.

Aber es gibt eine ganz einfache, kostengünstige und stets funktionierende Alternative: ohne Profil scannen, genau hinschauen und durch Anheben und Absenken der Farben den Scan an das Dia angleichen. Für den Agfa CT18 seit 1967 muss ich beim Scannen mit Silverfast den Rotkanal um 10 Punkte anheben, Blau um 7 Punkte absenken, Grün um 3 Punkte absenken; das kann ich schon beim Scannen machen (oder im Nachhinein auf alle Scans automatisch anwenden) und habe dann in der Regel den Originalen sehr nahe kommende Bilder. Wenn ich es noch genauer will, vergleiche ich jeden einzelnen Scan mit demzugehörigen Dia und arbeite nach; das muss ich ohnehin machen, um z.B. stehen gebliebene Kratzer zu beseitigen. Schöne Bilder bekommt man auch ohne IT8-Kalibrierung!
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Bobby
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Bobby »

Darf ich das so zusammenfassen: wenn man keine Chance hat, ein annähernd passendes IT8 Target zur Verfügung zu haben, muss man Rembrandt spielen und die Farben nach eigener Gefälligkeit hinmalen? Das erscheint mir ein brauchbarer Notbehelf, der aber nicht allgemein angewendet werden kann.

Silverfast bietet übrigens nicht nur SFprofT, sondern auch SFprofK und SFprofR. Hast Du da schon mal probiert?
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Martinus
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Martinus »

Natürlich habe ich diese Profile ausprobiert. Das Ergebnis ist keine wirkliche Hilfe, es benötigt weiterhin eine erhebliche farbliche Nachbearbeitung und dann kann ich genauso gut ohne Profil scannen.

Man muss keineswegs "Rembrandt spielen", denn es gibt ja ein Vorbild, das man imitiert. Man muß nur sehen, welche Farbe anzuheben oder abzusenken ist, um das Vorbild zu erreichen. Mit ein bisschen Übung ist das nicht schwer. Ich finde das Scannen von Negativen viel herausfordernder, denn da hat man kein Vorbild vor Augen, sondern muss tatsächlich "Rembrandt spielen" und eine glaubhafte Farbgebung für das Bild bzw. den ganzen Film suchen.
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Jossie
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Jossie »

Guten Morgen,

ich bin weder Chemiker noch Filmspezialist und kann mich daher lediglich auf die Aussagen von Fachleuten wie Sharma (Senior Research Scientist by Fuji, Professor in Toronto) beziehen. Er sagt, dass die Hersteller meist die gleichen Pigmente für ihre Filme verwenden. Das verstehe ich so, dass nicht notwendigerweise ein Agfachrome total anders sein muss als ein CT18, jedenfalls was die Pigmente anbelangt, welche maßgeblich die Farbgebung beeinflussen. In wie weit sich da bei der Umstellung des Entwiclklungsprozesses etwas an den verwendeten Pigementen ändert, kann ich als Laie nicht sagen. Mit dem Agfachrome-Target habe ich für meine 50 Jahre alten CT18-Dias auf jeden Fall eine Verbesserung erreicht gegenüber ohne oder mit dem "falschen" Profil. Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass damit die Farben perfekt werden. Es ergibt sich lediglich eine bessere Ausgangsposition für die Bildbearbeitung. Es ist klar, dass die IT8-Kalibrierung per se für verfärbte Dias nicht so funktionieren kann wie für frisches Material.

Wenn man sich den IT8-Prozess anschaut, so wird doch klar, dass man das, was ein Profil mit den Farben macht, nicht durch Manipulation von Histogramm oder Gradationskurve erreichen kann. Sehr schön sieht man das, wenn man ein kanalspezifisches Histogramm ohne Profil mit dem mit Profil vergleicht. Gleiches gilt natürlich auch für die Einstellungen am Monitor, wo man farbmäßig nur die Kanäle in ihrem relativen Beitrag ändern kann.

Hermann-Josef

PS: Damit sind wir hier weit weg von der ursprünglichen Fragestellung!
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Martinus
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Martinus »

Was ein Profil mit den Farben macht, kann man nicht vollständig(!) erreichen allein durch Manipulation von Histogramm oder Gradationskurve, soweit ist es richtig. Die Frage ist aber, ob man dieses "Mehr", das ein Profil kann, wirklich unbedingt braucht, um zu einer brauchbaren Replik des Dias auf dem Monitor zu kommen. Und das würde ich verneinen: Man braucht es nicht unbedingt, weil man auch mit der Manipulation der Gradationskurven und Histogramme zu sehr ähnlichen Bildern kommt. Bezeichnenderweise kommt man auch beim Scannen von Negativen ohne Profil aus, das Ziel wird dort ebenfalls ausschließlich durch Manipulation der Gradationskurven und der Histogramme erreicht, und keinen hat das bisher ernsthaft gestört. Wenn es eben nicht anders geht, muss und kann man problemlos auf Profile verzichten. Wenn es dann irgend welche Farben gibt, die falsch wiedergegeben werden (z.B. wird sehr intensives Dunkelrot oft als Hellrot wiedergegeben), und wenn dies tatsächlich stören sollte, kann man das in Silverfast nachträglich korrigieren mit der "Selektiven Farbkorrektur".
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Bobby
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Bobby »

Mit einem IT8 Target normierst Du die Farben mit insgesamt 288 verschiedenen Farbfeldern. Wenn Du am Histogramm herumdrehst, veränderst Du nur die 3 Grundfarben, und jede Veränderung einer Grundfarbe ändert dann alle anderen Farben im Bild. Mit dem Histogramm kannst Du vielleicht zu einem gefälligen Bild kommen, aber zu einer korrekte Farbdarstellung kommst Du damit nicht.
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Martinus
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Martinus »

Die praktische Erfahrung mit inzwischen rund 5.000 Dias und 8.500 Negativen, die ich ohne Profil gescannt habe, hat mich anderes gelehrt. In dieser Frage hilft nicht herumtheoretisieren, sondern nur ausprobieren und Erfahrungen sammeln.
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Bobby
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Re: Erfahrung zu BenQ SW240

Beitrag von Bobby »

Martinus hat geschrieben: Samstag 8. April 2023, 13:48 Die praktische Erfahrung mit inzwischen rund 5.000 Dias und 8.500 Negativen, die ich ohne Profil gescannt habe, hat mich anderes gelehrt. In dieser Frage hilft nicht herumtheoretisieren, sondern nur ausprobieren und Erfahrungen sammeln.
Martinus, also Rembrandt, Bilder colorieren wie vor 100 Jahren.

Es ist müssig, hier den Nutzen des ICC Farbmanagements zu diskutieren, da gibt es viele Bücher, und das wird auch von der professionellen Seite her so gesehen.

Die Anwendung eines generischen Silverfast-Profils ist, selbst wenn man das richtige gewählt hat (!), nur ein Notbehelf welcher eine zwar brauchbare aber doch minderwertige Farbgebung liefert. Solche generischen Profile erfassen die individuellen Eigenheiten wie Farbempfindlichkeit etc eines Scanners ja nicht.
Mit einem IT8 Target hingegen bekommt man schon gute Farben, aber nur wenn man das richtige Target passend zum jeweiligen Filmtyp wählt.
Fuji und Ektachrome scheinen recht gut miteinander zu gehen, aber für Kodachrome sind diese völlig daneben.
Dein Bild mit dem IT8 Target hat wirklich schlechte Farben und ich denke dass Du da ein falsches oder schlecht gealtertes Target verwendest.

Auch mit einem guten IT8 Profil wirst Du die Farben vermutlich nachbessern wollen oder müssen. Aber das sind nur kleine Korrekturen an grundsätzlich richtigen Farben, wo hingegen Du ohne ICC Profil weit weg und unter Umständen in der falsche Richtung bist.

Mit der Belichtung am Scanner würde ich nicht spielen. Ich würd sie so einstellen, dass beim leeren Dia die Peaks der 3 Farben knapp unterhalb des oberen Ende des Histogramms sind. Da hast Du dann (mit 16 bit) 65536 Graustufen, was mehr als genug ist damit Du dann elektronisch verstärken oder stauchen kannst. Mit anderer Belichtung kannst Du hier zwar ein paar Stufen mehr im dunkleren Bereich herausholen, aber die brauchst Du ja eh nicht. Gewinnen tut man also kaum was, aber hierbei werden die Farben verzerrt.

Mit Deinem anhand Farbbild eingestellten (ich sage hier nicht: «kalibrierten») Monitor hast Du dann ein Produkt, welches sicherlich auf jedem anderen Gerät anders aussehen wird.

Ich schreibe das hier nicht, um zu belehren, sondern um andere Leser im Forum auf meine gegenteiligen Erfahrungen hinzuweisen. Nichts für ungut.
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