Digitdia 7000 Scan-Workflow Fragen

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marc
Beiträge: 2
Registriert: Freitag 20. Dezember 2019, 10:01

Digitdia 7000 Scan-Workflow Fragen

Beitrag von marc »

Tach zusammen

Wir sind leider aus familären Gründen in den Besitz von unzähligen Dias gekommen. Diese will ich nun für meine Frau und ihre Familie digitalisieren. Ziel wäre es, ordentliche JPGs in etwas niedrigerer Auflösung zu haben (damit man ohne viel Aufwand einfach mal etwas hat). Weiter möchte ich Daten in - passend zum Film - sinnvoll hoher Auflösung zwecks eventueller späterer Weiterverarbeitung (Bildoptimierung, ggf. Abzüge oder online-Gallerie erstellen etc.).


Software
Als Scan-Software habe ich mir jetzt mal vuescan auf Windows gekauft. Das scheint mir von den Einstellungen etc. sehr sinnvoll und - im Rahmen von Scannsoftware :lol: - benutzerfreundlich.
Zur Sichtung, Archivierung und Weiterverarbeitung der Bilder möchte ich auf Lightroom setzen. Damit bin ich als Fotograf bestens vertraut. Und gerade so etwas wie face detection kann zur Sichtung dann sehr praktisch sein.

Hardware
DigitDia 7000, nicht profiliert (habe kein IT8 Target); kalibrierter Monitor. Scan aufs NAS mit offsite-Backup. Sobald alles durch ist kommt das auf zwei externe Platten unterschiedlicher Hersteller und wird an unterschiedlichen Orten gelagert. So handhabe ich das mit meinen anderen archivierten Daten im Normalfall auch. Die JPGs oder zumindest die Index-Dateien können dann auf dem NAS bleiben.

Formate
Ich hätte mich jetzt spontan für DNG im Tif-Container entschieden. Staubentfernung schonmal mit drin. Rohdateien erscheinen mir schon rein für die spätere Weiterverarbeitung übertrieben und zu aufwändig. Einen Lightroom-Katalog mit DNG Dateien kann auch meine Frau gut bedienen. Das passt so.
Farbraum AdobeRGB

Probleme / Fragen
  1. Ich habe jetzt mal erste Test-Scans gemacht und stelle fest, dass ich einen erheblichen Unterschied zwischen Preview, JPG und TIFF/DNG habe. Und zwar sowohl hinsichtlich Farben / Weisspunkt als auch hinsichtlich Histogramm. Dabei sind die DNGs wesentlich heller und kippen ins Lila. Mir scheint, als liegt das aber am RAW-Konverter von Lightroom / Photoshop oder damit verbundenen default-Einstellungen. ggf. ein Gamma-Problem?
  2. Lohnt bei diesem Scanner die Profilierung mit IT8? Ich habe Dias von einer Zeitspanne von 50 Jahren oder so; keine Ahnung welche Filme und welcher Zustand. Auf jeden Film zu profilieren erscheint mir - sowohl vom Aufwand als auch vom "Inhalt" der Bilder - unsinnig. Zumal ein jeweiliges Target auch nicht gerade günstig ist.
  3. Wie handhabt ihr das mit Auto-Korrekturen beim Scannen? Auto-Levels - das habe ich jetzt öfters als Empfehlung gelesen für batch-scans bei Dias - bläst mir die highlights meist viel zu stark aus. Ich will möglichst nicht überall von Hand eingreifen müssen. Nachträgliche Korrekturen via Lightroom für ausgewählte Bilder: von mir aus. Aber mehr dann auch nicht. Auch hier wieder eine Aufwand-Ertrag-Diskussion. Das sind die Bilder vermutlich halt dann doch nicht wert. Letztlich brauche ich aber eine Basis, auf der ich - sofern ich das will und muss - weiterarbeiten kann.

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Jossie
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Registriert: Sonntag 10. Februar 2013, 19:40
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Re: Digitdia 7000 Scan-Workflow Fragen

Beitrag von Jossie »

Hallo Marc,

bevor ich auf Deine Fragen im Einzelnen eingehe, zunächst der Hinweis auf meine Anmerkungen zu Silverfast, die auch viele Hinweise zu VueScan enthalten bzw. die SF-Aussage leicht auf VS übertragen werden kann.
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Ziel wäre es, ordentliche JPGs in etwas niedrigerer Auflösung zu haben (damit man ohne viel Aufwand einfach mal etwas hat).
Davon würde ich aus folgendem Grund abraten: Scannen ist zeitaufwändig. Wenn Du mit niedriger Auflösung anfängst und nachher feststellst, dass das nicht zufriedenstellen ist, musst Du von vorne anfangen.
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Weiter möchte ich Daten in - passend zum Film - sinnvoll hoher Auflösung zwecks eventueller späterer Weiterverarbeitung (Bildoptimierung, ggf. Abzüge oder online-Gallerie erstellen etc.).
Das ist nun ein Widerspruch zu dem vorherigen Satz.

Ich kann Dir nur empfehlen, ins Rohformat zu scannen und zwar mit der höchstmöglichen Auflösung (beim DD7000 wären das nicht die 10000ppi, denn die bringt er nach den Testberichten nicht) sondern 5000ppi (lies Dir aber mal diesen Beitrag genau durch, der auch für nagelneue Scanner relevant ist!). Das sollte den meisten Filmmaterialen bzw. Kamerauflösungen angemessen sein. Wenn Du sehr viele Dias hast, dann wirst Du nicht alle optimal bearbeiten können. Ich rechne mit 5 - 10 Minuten pro Dia. Ich selbst habe zwar alle Dias ins Rohformat gescannt, bearbeite aber nur eine Auswahl. Diese Auswahl treffe ich anhand einer Standardbearbeitung, die über alle Bilder läuft und mir in der Auflösung reduzierte JPGs erstellt.
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Ich hätte mich jetzt spontan für DNG im Tif-Container entschieden.
Mit DNG gibt es immer wieder Probleme. Ich würde Dir zu TIF raten.
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Staubentfernung schonmal mit drin. Rohdateien erscheinen mir schon rein für die spätere Weiterverarbeitung übertrieben und zu aufwändig.
Rohdaten sind nur bezüglich des Speicherbedarfs aufwändig, ansonsten vereinfachen sie das Leben sehr!
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Ich habe jetzt mal erste Test-Scans gemacht und stelle fest, dass ich einen erheblichen Unterschied zwischen Preview, JPG und TIFF/DNG habe.
Ohne genaue Angabe zu den Einstellungen und Beispielen kann ich dazu leider nicht viel sagen.
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
RAW-Konverter von Lightroom / Photoshop
Für Scan-Daten brauchst Du keinen RAW-Konverter.
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Lohnt bei diesem Scanner die Profilierung mit IT8?
Die IT8-Kalibrierung bringt bei farbveränderten, gealterten Dias nichts. Für gut erhaltene Bilder ist sie auf jeden Fall empfehlenswert. Allerdings ist das Farbmanagement in VueScan nur Schmalspur. Der Effekt der IT8-Kalibration hängt auch von der Emulsion ab. Kodachrome ist ein spezieller Fall, sowohl für die Farbkalibrierung als auch für die Staub- und Kratzerentfernung. Für beide ist VueScan in diesem Fall (d.h. Kodachrome) praktisch unbrauchbar!
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Wie handhabt ihr das mit Auto-Korrekturen beim Scannen?
Keine Autoeinstellungen verwenden!
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Ich will möglichst nicht überall von Hand eingreifen müssen. Nachträgliche Korrekturen via Lightroom für ausgewählte Bilder: von mir aus. Aber mehr dann auch nicht.
Dann musst Du mit Qualitätseinschränkungen leben. Ich weiß, dass es hier andere Meinungen gibt, aber für mich funktioniert das nicht zufriedenstellend.
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 10:53
Letztlich brauche ich aber eine Basis, auf der ich - sofern ich das will und muss - weiterarbeiten kann.
Das sind die Rohdaten. Es sind aber tatsächlich keine "Roh"daten, wie ich in den Anmerkungen ausgiebig darlege.

Hermann-Josef
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, Spider4Elite unter Win10 (64bit), i7 (3.5GHz), Speicher 24GB

marc
Beiträge: 2
Registriert: Freitag 20. Dezember 2019, 10:01

Re: Digitdia 7000 Scan-Workflow Fragen

Beitrag von marc »

Danke für die Antwort. Die JPGs will ich in verminderter Auflösung lediglich nebenher produzieren; damit einfach gleich etwas da ist. Die könnte ich genau so gut nachträglich aus den TIFs rauslassen. Ich mache das bei Fotos auch so: immer gleich mal noch eine "Web-Variante" rausspucken. Zum per E-Mail rumschicken u.ä. reicht das dicke, und frisst keinen Platz. Insofern ist das absolut kein Widerspruch zum "vorhergehenden" Satz. Ich will als Endresultat schlichtweg zwei Dinge haben: möglichst gute Originaldaten, sowie eine kleine JPG-Variante davon (lass es drei Dinge sein. die beiden plus den Index). Du machst das ja wie ich lese genau so. Sorry, falls ich mich da missverständlich ausgedrückt habe. Die Auswahl kann ich aber relativ gut und ressourcenschonen auch mit Lightroom durchführen. Dafür ist die Software ideal.

Rohdaten: insofern aufwändiger, als dass ich an vuescan gebunden bin um sie nochmals verarbeiten zu können. Das schränkt den Nutzen für mich (resp. konkret für meine Frau, die auch auf die Bilder Zugriff haben will) dann doch ein. Und mit Rohdaten meinst du ja das, was vuescan als "Rohdaten" raus lässt. Also mit separatem Infrarot-Kanal etc.

Auto-Einstellungen: habe ich mir ebenfalls gedacht. Dann muss ich aber trotzdem zusehen, wie die Bilder halbwegs korrekt rauskommen, ohne jedes einzeln einstellen zu müssen VOR dem Scan.

IT8: ok, das habe ich mir gedacht. Effektiv ist - so wie ich bis jetzt gesehen habe - nicht sondern viel "guter" Film dabei.

Auflösung: 5000 ist klar. Aber ich hatte jetzt einige Filme, die bei 5000 nicht mehr aufgelöst haben als bei 2500. Und die Magazine kann ich relativ gut und einfach identifizieren. Das bringt zumindset bei der Scan-Zeit etwas Reduktion; und auch beim Speicherplatz. Auch wenn das nicht zentral ist. Ist jetzt nicht grundsätzlich nötig, aber halt auch wieder ein Trade-off. Gerade da viele eher "unwichtige" Magazine dabei sind. Lieber scanne ich die schnell und in niedrigerer Auflösung, als vorher manuell "unwichtige" Bilder aussortieren zu müssen. Aber auch das handhabt jeder etwas anders, wie ich gesehen habe. Da gibt es auch unterschiedliche Meinungen, und jede mit ihren nachvollziehbaren Gründen.


Ich schaue mal, ob es effektiv an DNG hängt. Wenn ja, würde mich dann aber doch interessieren an was genau.

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Jossie
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Re: Digitdia 7000 Scan-Workflow Fragen

Beitrag von Jossie »

marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 17:31
Rohdaten: insofern aufwändiger, als dass ich an vuescan gebunden bin um sie nochmals verarbeiten zu können.
Nein, denn Du kannst die Daten (fast) unbehandelt abspeichern, wobei die Staub- und Kratzerentfernung aber eingearbeitet ist (vor allem nicht bei Kodachrome zu empfehlen!). Dananch ist das ein normales TIF (ohne Gammakorrektur), das Du mit dem Programm Deiner Wahl bearbeiten kannst. Ich würde das auf jeden Fall für die unverfärbten Dias empfehlen, denn dann kannst Du ein vollwertiges Farbmanagement nutzen, das VueScan nicht bietet (Gammakorrektur kannst Du dann über das ICC-Profil anbringen).
marc hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 17:31
Lieber scanne ich die schnell und in niedrigerer Auflösung, als vorher manuell "unwichtige" Bilder aussortieren zu müssen.
Scans macht der Scanner alleine, aussortieren musst Du. Mit anderen Worten: Es ist einfacher, alles optimal zu scannen (d.h. ins sog. Rohformat, Speicherplatz ist billig) und dann anhand der Scans auszuwählen. Aber es muss jeder für sich entscheiden, welcher Arbeitablauf eingeschlagen wird.

Hermann-Josef
Zuletzt geändert von Jossie am Freitag 20. Dezember 2019, 21:24, insgesamt 2-mal geändert.
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Joe
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Re: Digitdia 7000 Scan-Workflow Fragen

Beitrag von Joe »

Da Vuescan ja gleichzeitig TIF und JPG speichern kann spricht ja nichts dagegen das sofort zu machen.

Meine Vorgehensweise unterscheidet sich ja weitgehend von der von Hermann-Josef.

Ich mache bei einem neuen Magazin einen Vorschau-Scan von 5 Dias. Dann nehme ich die entsprechenden Einstellungen vor um eine gute Qualität zu erreichen. Dazu sind in Vuescan auch einige Automatiken an. Beim nächsten Magazin prüfe ich zunächst ob anderes Filmmaterial zum Einsatz kam. Wenn nein werden die Einstellungen beibehalten. Wenn ja neue Vorschau etc.

Mir reicht es aus, wenn alles in durchweg guter Qualität gescannt ist. Wenn wirklich mal ein Bild "total daneben" ist, wird es entweder mit externer Software optimiert oder noch mal neu gescannt. Das kommt so ungefähr bei 1% der Dias vor ;)

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