Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Fragen/Themen zu Canon-Scannern
Forumsregeln
In diesem Forum dürfen keine Beiträge mit gewerblichen Angeboten, privaten Verkaufsangeboten oder Links zu gewerblichen Seiten eingestellt werden.
Antworten
AxelH
Beiträge: 4
Registriert: Sonntag 31. Mai 2020, 11:47

Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von AxelH »

Hallo!
Ich habe mir vor einigen Jahren den Canon FS4000US gekauft. Ich war damit eigentlich zufrieden, dann kam die digitale Spiegelreflexkamera und ich habe das Digitalisieren erstmal auf Eis gelegt. Ich war aktiver Schiffsfotograf, und es haben sich in der Zeit von 1995 bis 2003 viele Negativstreifen angesammelt.

Ich habe Ihren Testbericht zum FS4000US gelesen. Der ist wahrscheinlich auch schon älter, aber zum Vergleich sicherlich tauglich. Nur frage ich mich, ob die angegebene Auflösung von 4000DPI noch zeitgemäß ist oder ich da was verpasse, weil es mittlerweile Scanner gibt, die im 7000er Bereich scannen. Ich habe auch gelesen, daß man gar nicht so viel aus den KB Farbnegativen herausholen kann, 7000DPI nicht notwendig sind.

Ich weiß auch nicht, ob sich die Optik im Laufe der Jahre verbessert hat. Die Nikon Cooscans gibt es schon seit vielen Jahren, ich glaube, die wurden auch nicht mehr verändert. Die liegen eh außerhalb meines Budgets.

Preislich interessiert mich der Plustek 8200i, wobei der immer mit Silverfast kommt, ich aber Vuescan gut finde und damals gekauft habe und Silverfast nicht benötige. VueScan wird auch ständig aktualisiert. Die Scanzeiten sind auch relativ lang, genauso wie beim FS4000US, wenn man diverse zusätzliche Prozesse hinzunimmt beim Scannen.

Danke und Gruß,
Axel

Benutzeravatar
Jossie
Beiträge: 1445
Registriert: Sonntag 10. Februar 2013, 19:40
Wohnort: im Kraichgau
Kontaktdaten:

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von Jossie »

Hallo Axel,
AxelH hat geschrieben:
Sonntag 31. Mai 2020, 12:05
Nur frage ich mich, ob die angegebene Auflösung von 4000DPI noch zeitgemäß ist
Leider sagt der Testberichts nichts darüber, ob diese Auflösung auch erreicht wird. Bei anderen Canon-Scannern wird de facto typischerweise nur etwa die Hälfte der im Datenblatt angegebenen Auflösung erreicht. Das bedeutet, dass man mit 4000 ppi scannt, um die optimale Auflösung zu erreichen. Das gibt unnötig aufgeblähte Dateien. Man kann zwar die Pixelanzahl herunterrechnen (binnen), aber wenn man die Auflösung erhalten will, nicht um einen Faktor 2x2.
AxelH hat geschrieben:
Sonntag 31. Mai 2020, 12:05
weil es mittlerweile Scanner gibt, die im 7000er Bereich scannen.
Die Scanner, die mehr als 5000 ppi laut Datenblatt liefern sollten, tun dies nach den Testberichten nicht.

Was das Bildmaterial letztendlich an Auflösung hergibt, hängt von der Filmkörnigkeit (siehe Datenblatt) und der Qualität der verwendeten Kameraoptik ab. Hier muss man diese beiden Beiträge zusammennehmen. Beispiel: Kodak Ektar 100 liefert laut Datenblatt etwa 70 Linienpaare/mm, das entspricht etwas 3500 ppi. Ein sehr gutes Kameraobjektiv hat laut Henner eine Auflösung von 75 Linienpaaren/mm. Für beides zusammen erhält man daher eine Auslösung von 3500 / 1.414 ppi = 2500 ppi. Hat der Film eine sehr viel höhere Auflösung als die Kamera, so kommt nur das Kameraauflösungsvermögen zum Tragen.

Will man z.B. die Bilder nur auf dem HD-Fernsehgerät betrachten, so reicht formal eine reale Auflösung von 1250 ppi, aber man beachte die Ausführungen von Yogi.

Der Canon FS4000US liefert die Daten nur mit einer Bittiefe von 14 Bit / Kanal, moderne Scanner liefern dagegen 16 Bit / Kanal. Auch hier hängt es wieder vom Material ab, ob man sich damit begnügt. 16 bit erlauben Helligkeitsabstufungen von 65535, 14 bit von 16383 Stufen. Das JPG-Format mit 8 bit kann nur 256 Stufen darstellen, gerade so viel, wie das Auge differenzieren kann. Man muss dabei beachten, dass die Dynamik bei der Bildbearbeitung leidet, d.h. bei intensiver Bearbeitung sollte man mit höherer Bittiefe starten, um nichts zu verlieren.
AxelH hat geschrieben:
Sonntag 31. Mai 2020, 12:05
Die Scanzeiten sind auch relativ lang,
Hier würde ich die Angaben in den Scannertests vergleichen.

Mir persönlich wäre bei der Auswahl eines neuen Scanners vor allem eine infrarot-basierte Staub- und Kratzerentfernung wichtig.

Hermann-Josef
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, Spider4Elite unter Win10 (64bit), i7 (3.5GHz), Speicher 24GB

Joe
Beiträge: 1926
Registriert: Montag 4. Februar 2008, 06:31
Kontaktdaten:

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von Joe »

Soweit ich weiß hat der Canon ja die IR Staub- und Kratzer-Entfernung (bei Canon FARE - weil ICE von Kodak lizensiert wird/wurde).

Meine Erfahrungen mit Plustek Geräten sind, sagen wir mal "durchwachsen" - siehe auch hier: http://www.jostark.de/Quato5000_allgemein.htm auf meiner Webseite - der Quato ist baugleich mit dem Plustek 7500i.

Meine Meinung: der Canon ist ein gutes Gerät. Probiere den erst noch mal aus, wenn Du nicht zufrieden bist, kannst Du Dich immer noch nach einem anderen Scanner umsehen!

AxelH
Beiträge: 4
Registriert: Sonntag 31. Mai 2020, 11:47

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von AxelH »

Hallo Jossie und Joe,

vielen Dank für eure ausführlichen Antworten. Das hilft schon weiter. Ich bin ins Zweifeln gekommen, eben weil der FS4000US schon so alt ist und sich da evtl. in den Jahren was getan hat. Das mit der Auflösung und den Infos aus den Datenblättern ist interessant. Da sollte ich mal Informationen zu den benutzten Negativfilmen heraussuchen, sicherlich wird es die noch geben (im Internet).
Daß es solche Unterschiede in der Bittiefe ausmacht, wußte ich nicht. Auch wissenswert, wobei ich schon eher in jpg arbeite. Ich habe damals auch nie hinterfragt, ob es qualitativ große Unterschiede zwischen den Film-Herstellern gab. Ich hab da eher nur nach ISO die Filme gekauft. 100 oder 200, glaube mal auch Streifen von einem Agfa XRG 400 gesehen zu haben.

Es stimmt, der FS4000US ist mit einer Infrarotlampe ausgestattet, funktioniert auch über VueScan gut, das ist wirklich ein Vorteil.

Ich werde wohl wirklich nochmal mit dem Scanner ausprobieren und schauen, ob ich heutzutage noch mehr herausholen kann. Manche Fotos, die ich damals gemacht habe, sind einfach fies, da kann man wahrscheinlich die teuerste Ausrüstung zum Scannen haben, da geht nicht mehr viel.

Jedenfalls bin ich schonmal beruhigt durch eure Antworten :-)))


Grüße,
Axel

Benutzeravatar
Jossie
Beiträge: 1445
Registriert: Sonntag 10. Februar 2013, 19:40
Wohnort: im Kraichgau
Kontaktdaten:

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von Jossie »

Hallo Axel,
AxelH hat geschrieben:
Montag 1. Juni 2020, 00:30
Das mit der Auflösung und den Infos aus den Datenblättern ist interessant.
Einen allerersten Eindruck von der Bildschärfe bekommst Du beim genaueren Betrachten von Staubkörnern. Ein Beispiel findet sich in diesem Beitrag.
AxelH hat geschrieben:
Montag 1. Juni 2020, 00:30
wobei ich schon eher in jpg arbeite
Das solltest Du nicht tun. Der Übergang von einem unkomprimierten Format mit hoher Bittiefe wie TIF zu JPG sollte erst ganz am Ende der Bildbearbeitung erfolgen. Zu starke Bildbearbeitung bei niedriger Bittiefe kann sonst zu Tonwertabriss führen, d.h. Streifenbildung in Gebieten mit leichten Helligkeits- oder Farbradienten.

Hermann-Josef
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, Spider4Elite unter Win10 (64bit), i7 (3.5GHz), Speicher 24GB

Joe
Beiträge: 1926
Registriert: Montag 4. Februar 2008, 06:31
Kontaktdaten:

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von Joe »

Tipp zu den Ausführungen von Jossie, wenn Dir das JPG nicht reicht: in Vuescan kannst du das Bild ja gleichzeitig in mehreren Formaten speichern. Wenn du da als JPG und RAW speicherst, hat Du immer noch die Möglichkeit später umfangreich nachzubearbeiten. (Nach meinen Erfahrungen macht das aber nur ein sehr geringer Teil der Anwender).

AxelH
Beiträge: 4
Registriert: Sonntag 31. Mai 2020, 11:47

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von AxelH »

Hallo Ihr,

erstmal danke für die weiteren Hinweise!! Theoretisch könnte ich doch erstmal nur in RAW ausgeben lassen und diese dann bearbeiten und je nach Verwendung in andere Formate speichern. Könnte man TIFF nicht komplett ausschließen?

Für Staub- und Kratzerentfernung oder Reduzierung wird ja IR genutzt im Gerät. Wie läuft es mit "Grain reduction" bei VueScan? Ich lese da eher, daß es eine reine Software-Sache ist, die da Anwendung findet, also digitale Nachbearbeitung durch VueScan oder macht sich VueScan da auch eine Hardware der Geräte zunutze?

Grüße,
Axel

Joe
Beiträge: 1926
Registriert: Montag 4. Februar 2008, 06:31
Kontaktdaten:

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von Joe »

Das gleichzeitige Speichern als JPG "kostet ja nichts" weder Zeit noch viel mehr Speicherplatz.

Mein Tipp nimm so 5 Dias die einen Querschnitt Deiner Motive und des verwendeten Filmmaterial darstellen und probiere etwas mit den Einstellungen rum.

Benutzeravatar
Jossie
Beiträge: 1445
Registriert: Sonntag 10. Februar 2013, 19:40
Wohnort: im Kraichgau
Kontaktdaten:

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von Jossie »

Hallo Axel,
Joe hat geschrieben:
Montag 1. Juni 2020, 12:22
Theoretisch könnte ich doch erstmal nur in RAW ausgeben lassen
Natürlich, dann brauchst Du Dir auch über die Einstellungen beim Scan keine großen Gedanken machen.
AxelH hat geschrieben:
Montag 1. Juni 2020, 11:45
Könnte man TIFF nicht komplett ausschließen?
Ich würde für das sog. "Roh"format als Ausgabe das TIF-Format wählen. Die Unterstützung von DNG ist nicht so weit verbreitet und ich hatte schon von diversen Problemen damit gehört. Das "Roh"format beim Scanner hat nichts mit dem Raw-Format bei der Digitalkamera zu tun! "Roh"daten bei VueScan sind einfach TIF-Bilder mit 4 Kanälen/Pixel: R,G,B,IR.
Joe hat geschrieben:
Montag 1. Juni 2020, 12:22
Für Staub- und Kratzerentfernung oder Reduzierung wird ja IR genutzt im Gerät.
Das passiert nicht im Gerät. Dort wird nur der IR-Kanal genau so wie die RGB-Kanäle belichtet und abgespeichert. Die Entfernung von Staub und Kratzern geschieht in der Software (siehe Einstellungen!).
AxelH hat geschrieben:
Montag 1. Juni 2020, 11:45
Wie läuft es mit "Grain reduction" bei VueScan?
Auch das ist reine Software. Für die Reduzierung des Filmkorns halte ich Dfine2 von der Nik-collection für sehr gut:

links: Ohne, rechts VueScan mit Einstellung stark
links: Ohne, rechts VueScan mit Einstellung stark
Vergleich_VS_ohne_stark.jpg (230.67 KiB) 314 mal betrachtet
links: Dfine2 mit Standardeinstellung, rechts VueScan mit Einstellung stark
links: Dfine2 mit Standardeinstellung, rechts VueScan mit Einstellung stark
Vergleich_VS_Dfine_stark.jpg (199.78 KiB) 314 mal betrachtet
Bei genauer Betrachtung sieht man, dass Dfine die Auflösung kaum beeinträchtigt. Es werden Wavelets verwendet.

Hermann-Josef
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, Spider4Elite unter Win10 (64bit), i7 (3.5GHz), Speicher 24GB

AxelH
Beiträge: 4
Registriert: Sonntag 31. Mai 2020, 11:47

Re: Canon FS4000US noch zeitgemäß?

Beitrag von AxelH »

Tausend Dank nochmal für Eure Tips und Links hier!

Das wird eine Versuchsreihe, bis ich den Bogen raushabe, was das beste Ergebnis bringt, aber ich denke, letztlich bekomme ich da was hin und ich denke, ich behalte meinen alten Scanner.

Das mit den Wavelets habe ich über alte Scans von vor vielen Jahren aus der Zeit, als ich den Scanner gekauft habe, kürzlich mit dem kostenlosen Darktable ausprobiert. Leicht und in Maßen angewandt, sehen die Fotos doch schon sehr angenehm aus, das Korn wird wesentlich sanfter. Ihr kennt es wahrscheinlich auch, wenn man da zu viel anwendet, gehen Details verloren und das Foto wirkt wie in Öl gemalt. Darktable ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber zumindest nichts cloud-basiertes. Dfine2 kannte ich nicht, auch mal eine Idee, mir das probehalber anzusehen.

Grüße,
Axel

Antworten