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Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Dienstag 9. Februar 2021, 22:15
von lauren
Hallo in die Runde,

ich bin froh dieses Expertenforum gefunden zu haben, irgendwie gar nicht so einfach :) - in den letzten Wochen habe ich versucht mich tief in die Thematik einzulesen und irgendwie platzt mir der Kopf :)

Ich suche einen Scanner mit welchen ich meine Zeichnungen, gemalt mit Buntstiften, hauptsächlich DinA4 und etwas kleiner digitalisieren möchte. Die Anforderung dabei möglichst farbgetreu, möglichst schnell mit min. 600 dpi.

Ich habe dabei schon einige Versuche mit meinem Multifunktionsdrucker von Canon gemacht. Der AFD ist grundsätzlich relativ flott, aber hier habe ich zum Teil gröbere Farbabweichungen, hier weiß ich nicht ob das am alten Gerät liegt, oder das generell ein Problem bei AFD ist, da das Vorlagenglas schon alleine das Umgebungslicht besser abschirmen kann. Dahingehend die Frage bei einem Neugerät ob AFD, Vorlagenglas, oder vielleicht auch beides.

Wenn ihr bestägt das AFD zwar schnell aber nicht gerade genau arbeitet, egal ob jetzt Farben oder Details, dann würde für mich eher nur ein Flachbettscanner in Frage kommen, außer der Preis lässt eine Kombination zu.

Im Bereich der Flachbettscanner habe ich das Problem das die meisten Hersteller nur einen 200 DPI Farbscan angeben und in Tests wird dann wieder relativ ungenau geschrieben, dass bei höheren Auflösungen die Schnelligkeit gravierend einbricht.

Bei meinen Recherchen fand ich folgende Modelle:
Plustek OpticSlim 1180 - wobei das nur ein CIS Modell ist und bei grafischen Scans wohl weniger geeignet ist, wobei ich nicht herausfinden konnte ob zwischen CIS und CCD ein so gravierender Unterschied ist.

Plustek OpticBook 3800

Epson Perfection V600 Photo
Epson Perfection V39
Bei den 2 Epsons bin ich mir nicht ganz sicher, beim Photo sehe ich den höheren Preis darin, dass dieser Scanner wesentlich mehr Aufgaben erfüllen kann, vor allem im Film / Dia Bereich, Funktionen welche ich nicht benötige. Reduziere ich beide lediglich auf meine Aufgabe, vermute ich ein relativ ähnliches Ergebnis?

Epson WorkForce DS-1660W
Canon imageFORMULA DR-F120
HP ScanJet Pro 3500 f1
Plustek SmartOffice PL4080
Bei diesen finde ich die Kombination des AFD interessant, da ich durchaus auch Zeichnungen habe bei welchen mir eine exakte Darstellung weniger wichtig wäre und welche ich dann sehr schnell durch den AFD scannen könnte. Der Plustek fällt aber eher raus, da die Blätter am Ende lose runterfallen und nicht wie bei den anderen 3 aufgefangen werden. Das dies irgendwo Kombinationsgeräte sind, könnte ich mir aber gut vorstellen das sie beides nur halb können und nicht so gut wie vielleicht ein reiner Flachbett, oder ein reiner AFD Scanner.

Ich glaube die beste Lösung wäre dieser hier:
Plustek OpticPro A320L

Der wäre preislich auch meine absolute Grenze, interessant hier das Format da ich dann durchaus 2 Zeichnungen auf einmal scannen könnte und dadurch etwas schneller bin. Auch wird er auf der Website als das angepriesen was ich haben möchte. Aber jeder will natürlich verkaufen, daher wird man kaum etwas negatives auf der Herstellerseite finden und ansonsten gibt es zu diesem Produkt kaum Kritiken. Das einzige was mir hier weniger gefällt ist der Preis, welchen ich aber durchaus bereit bin zu bezahlen und die Optik. Ich weiß nicht wer auf die Idee kommt einen Scanner für Grafiken zu entwicklen, einer Zielgruppe die es gerne etwas feiner hat und dann einen solchen Klotz im 80ziger Jahre Stil anbietet, wobei das wohl Geschmackssache ist, mir gefällt das nicht.

Generell bin ich sehr unsicher, zumal ich auch nicht zig Geräte bestellen und testen will. Man liest sich auf Amazon einiges durch, dort findet man häufig nur schwarz / weiß entweder total toll, oder nur schlecht. Dann die Herstellerinfos, wieder eher alles total toll und ausführliche objektive Tests konnte ich kaum finden, eher Werbeseiten bzw. Laienmeinungen.

Ich hoffe ihr könnt mir mit euer Erfahrung weiterhelfen :)

Weitere Fragen:
Kalibrierung: Hier auf der Seite wird das umfangreich beschrieben und ich fand das sehr spannend. Einige Modelle wie auch Plustek haben aber eine integrierte Kalibierung soweit ich das verstanden habe - sind diese gut, oder sollte man das immer mit IT-8 Targets machen?

Software:
Bei meinen Scans benötige ich kaum bzw. keine Optimierungen da ich das Original möglichst genau ohne Veränderung erhalten möchte, eine sehr aufwändige komplexe Zusatzsoftware halte ich für unnötig - berechtigterweise? oder übersehe ich vielleicht etwas und eine Zusatzsoftware hätte irgendwo Vorteile, weil sie z.B. schneller scannt, oder genauer arbeitet etc.

Re: Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Mittwoch 10. Februar 2021, 08:38
von Joe
Hier im Forum geht es um Filmscanner, also um das Scannen von Dias und Negativen.

Aufsichtvorlagen (also Fotos, Deine Zeichnungen, etc.) sind hier nur ein "Rand-Thema".

Ich kann Dir zu Deinen Fragen hier daher nur zu meinen Erfahrungen beim Scannen von Fotos und Dokumenten etwas beisteuern:

- Fotos scannen die Canon CanoScan 9000 sehr gut. Hier gibt es dafür auch eine Software-basierte Staub- und Kratzerentfernung
- Dokumente scanne ich mit einem Canon imageFormula P-150 (Duplex, 600 dpi. Gerät gibt es leider nicht mehr)

In beiden fällen war die Qualität so gut das eine IT8-Kalibrierung nicht notwendig war.

Ein MFC habe ich auch: Canon Pixma MG-925 - hier gibt es m.E. keine Qualitätsunterschiede beim Scannen mit AFD oder ohne.

Mit Plustek Geräten habe ich persönlich nur "durchwachsene" Erfahrungen gemacht. Allerdings liegen die auch schon Jahre zurück.

Re: Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Mittwoch 10. Februar 2021, 09:25
von Jossie
Guten Morgen,

wie Joe schon schrieb, geht es hier vornehmlich um Dia-/Negativscanner. Daher kann ich auch wenig zu Deinen Fragen sagen.

Mein Flachbettscanner arbeitet seit vielen Jahren stabil (allerdings mit leichter Abschattung in einer Ecke, die eine Reparatur auch nicht abstellen konnte) und bei 300ppi auch recht zügig. Die Farben sind mir bei Dokumentenscans nicht so wichtig, ließen sich aber bei der Canon-Software durch eine IT8-Kalibrierung in den Griff bekommen.
lauren hat geschrieben: Dienstag 9. Februar 2021, 22:15 Die Anforderung dabei möglichst farbgetreu,
Das ist ein komplexes Problem. An sich ist die "korrekte", d.h. geräteunabhängige, Farbwidergabe nur mit einer IT8-Kalibration machbar. Aber ein ICC-Profil beschreibt immer das Gesamtsystem aus Scanner und Vorlage. Bei letzterer sind die Reflexionsspektren der Vorlage von Bedeutung. Für Deinen Fall wird es keine Targets geben, mit denen Du das erfüllen kannst. Gängig Targets sind nur für Fotomaterial verfügbar. Wenn Du aber damit experimentieren möchtest, wäre es wichtig, dass die benutze Software auch ICC-Profile unterstützt, was nicht bei allen der Fall ist. Ein Auflichttarget kostet nicht die Welt und die Software zur Profilerstellung gibt es als freie Software (Argyll).

Eine Staub- und Kratzerentfernung dürfte bei Zeichnungen keine Rolle spielen.

Ob Du weitere Bildbearbeitung brauchst, kann man so nicht sagen. Das kannst Du nur nach Probescans beantworten.

Hermann-Josef

Re: Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Mittwoch 10. Februar 2021, 13:53
von micha12345
Hallo!

Dein Fokus auf einen hochauflösenden A3 Scanner ist schon sehr sinnvoll. Ich vermutet, dass für deinen Anwendungszweck jeder A3 Scanner ausreichend ist, solange der A3 Scanner echte 600dpi, besser 1200dpi, auflöst (Idealerweise nach USAF 1951 Reviews zur Bestätigung suchen. Jeder Scanner ist aber individuell, so dass man mit Pech einen schlecht eingestellten Scanner erwischen kann.).

Mit einen Din-A4 Scanner kommst du nicht weit, weil eigentlich jeder DIN-A4 Scanner auf der schmalen Seite nicht einmal DIN-A4 Breite scannen kann (dazu im jeweiligen Datenblatt/Manual schauen) und bauartbedingt auch am Anfang der Scanfläche (dort wo der Anlegepfeil ist) ein paar Milimeter ausläst.

Wegen der Kalibrierung. Im Idealfall scannst du deine Bilder und kommst zu dem Ergebnis, sieht auf Monitor und Drucker gut aus. Wenn nicht und die Bilder sowieso professionell genutzt werden sollen, dann kommst du um Kalibrierung, also Farbraum/Gamut nicht herum. Was das bedeutet, bescheibt z. B. Thomas Crass ganz anschaulich auf seiner Internetseite für einen Digitdia Diascanner.

Daher ist das angestrebte Scanvorhaben einfach und schwierig zugleich. Einfach, wenn farblich alles passt, also deine verwendeten Farben in den jeweils verwendeten Farbraum passen. Schwierig, wenn dem nicht so ist und so im Idealfall flaue Farben, schlimmer noch komplette Farbverschiebungen oder Musterbildungen im Druck entstehen.

Da Budget vorhanden ist, idealerweise auch Schnelligkeit gewünscht ist und auch die Bereitschaft besteht, bei Misserfolg in Sachen Qualität das Geräte zu retournieren, würde ich auch mal eine andere Scannerart ausprobieren. Im professionellen Umfeld benutzt man mittlerweile bei "alltäglichen" Kunstvorlagen in der Großdruckerrei sehr teure Profi Overhead Scanner.

Im privaten Umfeld gibt es den mit 600 Euro noch bezahlbaren Fujitsu Scansnap SV600 Scanner (immer noch kaufbar, aber mangels des Marktes eingestellt, wie viele gute Flachbrett-/Filmscanner). Das ist eigentlich ein Bücherscanner, so dass die Auflösung gerade ausreichend ist bei Scanzeiten von ein paar Sekunden. Die Angaben der horizontalen/vertikalen Auflösung erzeugen maximal 600dpi laut Herstellerangabe. Ein richtiger A3 Scanner liefert da einfach mehr, dauert aber auch länger.

Dieses Review geht sehr detailiert mit Beispielbildern auf das Thema ein, was man in Bezug Scangeschwindigkeit/Auflösung von Kunstscans beim SV600 erwarten kann und wo die Grenzen zu einem guten A3 Scanner liegen.

Re: Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Mittwoch 10. Februar 2021, 14:48
von Jossie
micha12345 hat geschrieben: Mittwoch 10. Februar 2021, 13:53 Was das bedeutet, bescheibt z. B. Thomas Crass ganz anschaulich auf seiner Internetseite für einen Digitdia Diascanner.
Wie oben bereits gesagt, kann man das Kalibrieren von Dias nicht 1:1 auf diesen Anwendungsfall übertragen. Die Targets für das Scannen von Papier / Farbstift (!) gibt es nicht. Und auch bei der Dia-Kalibrierung steckt der Teufel im Detail. Ganz so einfach wie es bei Thomas Crass beschrieben ist, kommt man meist nicht zum Ziel. Vor allem in dunklen und hellen Bereichen kann es Probleme geben, da die Targets eben auch nicht den gesamten Farbraum abdecken und dann extrapoliert werden muss.
micha12345 hat geschrieben: Mittwoch 10. Februar 2021, 13:53 Im Idealfall scannst du deine Bilder und kommst zu dem Ergebnis, sieht auf Monitor und Drucker gut aus.
Ob das so ist, weiß man halt erst, wenn man den Scanner vor sich in Betrieb hat. Die Scannertest sind da auch nicht immer hilfreich.

Ich habe eine IT8-Kalibrierung interessehalber für meinen CanoScan und eine Stiftzeichnung meines Enkels ausprobiert:

Vergleich_CanoScan_std_IT8.jpg
Vergleich_CanoScan_std_IT8.jpg (175.55 KiB) 274 mal betrachtet

Links ist die Standardeinstellung (also ohne Farbmanagement) und die ist in diesem Fall recht nahe am Original, wenn ich das Bild auf meinem kalibrierten EIZO mit AdobeRGB betrachte. Rechts, im IT8s-Fall (Argyll shaper+Matrix mit einem Kodak-Auflichttarget, keine weitere Bildbearbeitung) dagegen stimmen die Gelb- und Orange-Töne nicht. Derart krasse Farbabweichungen durch die IT8-Kalibration kenne ich eigentlich von Dias nicht.

Hermann-Josef

Re: Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Mittwoch 10. Februar 2021, 21:48
von lauren
Herzlichen Dank für eure Unterstützung, 2 Scanner hatte ich auch noch im Auge, einer wurde bereits genannt.
Der FUJITSU ScanSnap SV600 ist richtig genial, nur leider hat der keine optischen 600dpi, sondern nur um die 200 und rechnet dann hoch. Das Ergebnis ist dann entsprechend mieß, ich habe damals doch tatsächlich auch Scans davon gefunden:

https://www.fujitsu.com/global/support/ ... sv600.html

Es sind zwar nur einfache Dokumente aber nicht einmal diese sehen sonderlich gut aus. Das Hauptproblem wie ich finde ist hier einfach das Umgebungslicht und die schwache Auflösung. Aber die Geschwindigkeit ist enorm, so hätte ich mir das vorgestellt :) Ich dachte mir hier, das Gerät in eine Fotobox zu stellen um ein stetig neutrales Licht zu haben, aber die Auflösung ist leider zu schlecht.

Der andere wäre der Perfection V850 Pro, den ich aber aufgrund des Preises wieder verworfen habe. Ich habe mir gestern dazu nochmals den Test hier auf der Seite durchgelesen und er scheint einer der besten zu sein was die Geschwindigkeit und auch die Genauigkeit betrifft. Aber auch hier gibt es kaum Infos zur genauen Geschwindigkeit, ein kleines Foto in 600 dpi benötigt um die 18 Sek. was ich durchaus für schnell empfinde, also dürfte er unter einer Minute für die vollen A4 bleiben. Der A3 Scanner von Plustek benötigt da wesentlich länger, wobei ich das nur aufgrund eines YT Videos beurteilen kann, dort hat es mehrere Minuten benötigt, wo mir dann ein Aufpreis auf den 850 auch nur mehr egal ist wenn ich damit sehr viel Zeit sparen kann.

Macht auch die Scansoftware einen Zeitunterschied aus?, also dauert es länger wenn ich die Standardscansoftware von z.B. Espon verwende im Gegensatz zu z.B. Silverfast?

Re: Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Donnerstag 11. Februar 2021, 10:34
von Jossie
Guten Morgen,

nachdem ich oben geschrieben hatte, dass es für dieses Problem keine Targets gäbe, und die Verwendung eines Kodak-Targets für eine Zeichnung kein befriedigendes Ergebnis brachte, habe ich noch etwas nachgedacht. Man kann, wenn man bereit ist, etwas Aufwand zu treiben, durchaus eine IT8-Kalibration für den Scanner und die gewählte Kombination aus Papier und Farbstiften erstellen -- sollte der Scanner mit den Standardeinstellungen keine akzeptable Farbwiedergabe liefern.

Ich würde folgendes versuchen:
  • Auf gewählten Papier mit den verfügbaren Farbstiften ein Target zeichnen, z.B. in Anlehnung an den x-rite colorchecker classic. Das sind 24 Farbfelder, so dass sich der Aufwand in Grenzen hält.
  • Vermessen des Reflexionsspektrums jedes Feldes, in meinem Fall mit dem i1 studio.
  • Wahl eines Beleuchtungsspektrums, z.B. D50
  • Berechnung der XYZ- und Lab-Werte für jedes Feld anhand der Formeln bei Bruce Lindbloom. Die Formeln finden sich dort unter dem Reiter "Math".
  • Damit wird eine Referenztabelle für das selbstgemalte Target erstellt.
  • Scannen des Targets
  • Verwendung von Argyll, um das ICC-Profil aus Scan und Referenztabelle zu erstellen. Problem wird dabei sein, die Felder zu identifizieren. Das wird nicht automatisch klappen, sondern man müsste die ti3-Datei manuell erstellen, und die R,G,B-Werte der Felder z.B. mit imageJ bestimmen.
Wenn das klappt, kann man natürlich auch ein komplexeres Target anhand der verfügbaren Stifte erstellen.
Macht auch die Scansoftware einen Zeitunterschied aus?, also dauert es länger wenn ich die Standardscansoftware von z.B. Espon verwende im Gegensatz zu z.B. Silverfast?
Bei gleicher Abtastrate sollte sich kein Zeitunterschied für den eigentlichen Scan ergeben, da das eine reine Hardware-Angelegenheit ist (vorausgesetzt, der gleiche Treiber wird verwendet). Ein Zeitunterschied kann sich aber durch die an den Scan anschließende Bildbearbeitung ergeben.

Hermann-Josef

Re: Kaufberatung, bunte Zeichnungen scannen

Verfasst: Donnerstag 11. Februar 2021, 19:33
von lauren
Danke für die Hilfe Jossie, das klingt nach einer Lösung - ich werde mir das mal genauer ansehen.