Frage IT8 Target Kodachrome (Dia)

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Lothar
Beiträge: 3
Registriert: Mittwoch 20. Mai 2020, 13:44

Frage IT8 Target Kodachrome (Dia)

Beitrag von Lothar »

Hallo,

ich bin auf der Suche nach einem Target für Kodachrome auf Verleihbasis. Konditionen können verhandelt werden (Sicherheitsgarantie, Gebühr etc.). Kann jmd. aus dem Forum weiterhelfen?
DJI Osmo Pocket, DJI Osmo Zenmuse 3, Nikon Coolscan 5000 ED, CanonScan 9000f Mark II, SilverFast Ai Studio

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Jossie
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Registriert: Sonntag 10. Februar 2013, 19:40
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Re: Frage IT8 Target Kodachrome (Dia)

Beitrag von Jossie »

Hallo,

eine IT8-Kalibrierung bringt nur etwas, wenn das Diamaterial dem Material des Targets entspricht. Das bezieht sich nicht nur auf den Emulsionstyp sondern vor allem auch auf die Alterung. Ein gealterter, d.h. verfärbter, Diafilm kann mit einem nicht oder anders gealterten Target sehr wahrscheinlich nicht ordentlich korrigiert werden. Daher sollte diese Frage des zu scannenden Materials geklärt werden, bevor man eine größere Aktion unternimmt.

Meine Kodachrome-Dias sind aus der Zeit 1970 bis 1980 und wirken wie neu. Ein Kalibrierung mit dem Target bringt eine deutliche Verbesserung, auch gegenüber der Kalibrierung mit dem mit SF mitgelieferten Kodachrome-Profil für meinen Scanner. Aufwändige Nachbearbeitung ist nicht nötig. Ich setze nur Lichter- und Schattenpunkt im Histogramm, ab und zu kommt die Neutralpipette zum Einsatz. Dagegen sind meine Agfa-Dias aus den 60er Jahren stark verfärbt (blaustichig). Eine Kalibrierung mit einem Profil für Agfachrome bringt nichts, macht aber auch nichts kaputt. Hier helfen nur die klassischen Mittel der Bildbearbeitung wie Histogramm, Gradationskurven usw.

Hier ein Vergleich eines Kodachrome-Dias von 1978 ohne ICC-Profil (oben links), mit dem mitgelieferten SF-Profil (oben rechts), mit einem Ektachrome-Profil (unten links) und mit dem individuell mittels Argyll und dem Kodachrome-Target erstellten Profil. Es wurde in SF keinerlei Bildbearbeitung angewandt:

ICC_Profile_Kodachrome_Vergleich.jpg
ICC_Profile_Kodachrome_Vergleich.jpg (315.08 KiB) 52 mal betrachtet

Das Ergebnis wird aber sicher auch vom Scannertyp abhängen.

Hermann-Josef
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, Spider4Elite unter Win10 (64bit), i7 (3.5GHz), Speicher 24GB

Lothar
Beiträge: 3
Registriert: Mittwoch 20. Mai 2020, 13:44

Re: Frage IT8 Target Kodachrome (Dia)

Beitrag von Lothar »

Hallo

Ich werde erst einmal meine Dias (Kodachrome) aus den vergangenen Jahrzehnten, die übrigens auch noch in einem sehr guten farblichen Zustand sind, digitalisieren. Danach kommen meine Negative dran. Schon mal vorab die Frage, was es bei s/w bzw. farbigen Negativen für den Scan zu beachten gibt ?
DJI Osmo Pocket, DJI Osmo Zenmuse 3, Nikon Coolscan 5000 ED, CanonScan 9000f Mark II, SilverFast Ai Studio

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Jossie
Beiträge: 1419
Registriert: Sonntag 10. Februar 2013, 19:40
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Re: Frage IT8 Target Kodachrome (Dia)

Beitrag von Jossie »

Guten Abend,
Lothar hat geschrieben:
Samstag 23. Mai 2020, 10:48
Ich werde erst einmal meine Dias (Kodachrome) aus den vergangenen Jahrzehnten, die übrigens auch noch in einem sehr guten farblichen Zustand sind, digitalisieren.
Wenn möglich, würde ich zunächst lineare Scans erzeugen (sog."Roh"format), was SilverFast und VueScan erlauben. Dann kann man später immer noch das ICC-Profil austauschen. Das Verarbeiten benötigt bei SF dann eine HDR-Lizenz. In Version SF6 kann man meines Wissens den IR-Kanal nicht in den linearen Scans abspeichern. VueScan halte ich bei Kodachrome nicht für anwendbar.
Lothar hat geschrieben:
Samstag 23. Mai 2020, 10:48
Danach kommen meine Negative dran. Schon mal vorab die Frage, was es bei s/w bzw. farbigen Negativen für den Scan zu beachten gibt ?
Die reine Scanarbeit unterscheidet sich nicht zwischen Positiven und Negativen (außer dass bei SW-Negativen die IR-basierte Staubentfernung nicht funktioniert), wohl aber die Bearbeitung. Details und Beispiele dazu finden sich in meinen Anmerkungen. Ich würde mir auf jeden Fall anhand von einigen Testscans die Ergebnisse der verschiedenen Programme ansehen (Demoversionen!), denn es gibt schon große Unterschiede in den Ergebnissen zwischen SilverFast NegaFix, VueScan und z.B. ColorPerfect.

ICC-Profile für Farbnegative gibt es nicht, wohl aber individuelle Profile für verschiedene Emulsionen, die man in SF auch selbst erstellen und abspeichern kann.

Hermann-Josef
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, Spider4Elite unter Win10 (64bit), i7 (3.5GHz), Speicher 24GB

Martinus
Beiträge: 33
Registriert: Dienstag 26. März 2019, 11:37

Re: Frage IT8 Target Kodachrome (Dia)

Beitrag von Martinus »

Einige Hinweise, was nach meiner Erfahrung beim Scannen von Negativen mit SilverFast zu beachten ist:
1. Für viele Sorten von Farbnegativfilmen der Zeit vor ca. 1995 gibt es in SilverFast keine passenden Profile. Die für diesen Fall im Negafix-Dialog vorgesehene Einstellung (Hersteller: „Other“, Filmtyp „Other“, ISO/ASA „Standard“) funktioniert bei Schwarzweißfilmen problemlos, bei Farbfilmen manchmal gut, manchmal weniger gut. In letzterem Fall ist es sinnvoll, erst unterschiedliche vorhandene Profile auszuprobieren. Die automatische Farbkorrektur CCR sollte man aber unbedingt vorher abschalten! Manche Profile verstärken die Rotkomponente und schwächen die Blaukomponente, andere behandeln die Farben fast gleich. Man muss ausprobieren, was bessere Bilder ergibt. Wenn man dann ein einigermaßen funktionierendes Profil gefunden hat, kann man dieses von Hand noch verbessern und dann unter anderem Namen abspeichern.
2. Selbst wenn ein dem Namen nach passendes Profil vorhanden ist, muss dies keineswegs die besten Bilder ergeben! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass z.B. bei dem Filmtyp Agfa HDC 400 plus das Profil für Agfa Vista 100 viel bessere Ergebnisse bringt als das Profil Agfa HDC plus 400. Bei dem Filmtyp Agfa Vista 800 war nicht dieses Profil am besten, sondern das Profil Agfa Vista 200, bei Agfa Vista 400 kam ich mit Profil Agfa Vista 100 zu den besten Ergebnissen!
3. Hat man ein gut passendes Profil gefunden, ergibt sich ohne die automatische Farbkorrektur CCR in den meisten Fällen ein weitaus besseres Ergebnis als mit der automatischen Farbkorrektur. Nur in seltenen Fällen ist CCR nützlich, z.B. zur Korrektur von Lampenlicht unangenehmer Farbe oder zur Beseitigung von leichten Farbstichen bei sehr neutralem Licht, z-B. Nebelbildern.
4. Die Automatik setzt die Schwarzmarken in den Histogrammen, die im Negafix-Dialog unter „Ausdehnung“ gezeigt werden, in der Regel zu niedrig. Die Folge sind flaue, kontrastarme Bilder. In der Regel lasse ich die Automatik zunächst ihren Vorschlag machen (den Toleranzschieber lasse ich meistens in der Gegend um 9), dann verschiebe ich die Schwarzmarken von Hand unmittelbar links von den äußerst linken Histogrammausläufern. Das setzt allerdings voraus, dass in dem Bild sehr dunkle Flächen von nennenswertem Ausmaß vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, setze ich eine Messmarke auf eine extrem dunkle, farbneutrale Stelle im Bild (im Vorschaubild diese Stelle mit der linken Maustaste bei gedrückter Shift-Taste anklicken). Dann verschiebe ich die Schwarzmarken in den Histogrammen so, dass an dieser Stelle in allen Farben ähnlich niedrige Werte um ca. 10 entstehen, Blau darf oft etwas höher sein, Rot etwas niedriger. Sollte jedoch in dem Bild überhaupt keine wirklich dunkle Stelle vorhanden sein (oft bei Landschaftsaufnahmen der Fall, besonders Aufnahmen auf einem See oder Meer), dann ist es oft besser, die Schwarzmarkenstellung von einem anderen Bild des Films mit dunklen Passagen zu übernehmen. Die neue Position der Schwarzmarken ergibt allerdings häufig ein etwas dunkles Bild. Um dies zu korrigieren, setze ich den Mittelton-Schieber unter dem Ausgabe-Histogramm meistens auf einen Wert zwischen +5 und +10; nur bei überbelichteten Bildern schiebe ich ihn in den negativen Bereich.
5. Auch die Weißmarken werden von der Automatik nicht immer richtig gesetzt. Oft ist das Ergebnis der Automatik farbstichig. Sehr informativ ist hier das Ausgabe-Histogramm in der „separat“-Einstellung: Gibt es sonnenbeschienene weiße Flächen von nennenswerter Größe, so sollten die korrespondierenden Hügel am rechten Ende der drei Histogramme so liegen, dass der Rot-Hügel etwas weiter rechts liegt als der Grün-Hügel, und der dieser etwas weiter rechts als der Blau-Hügel. In einem Blitzlicht-Bild oder bei bewölktem Himmel hingegen sollten die Maxima genau übereinander liegen. Ist dies nicht der Fall, verschiebt man die Weißmarken in den Histogrammen: nach links zum rechten Rand des Histogrammgebirges, um die betreffende Farbe zu verstärken, nach rechts, um sie zu schwächen. Gibt es keine großen Weiß-Flächen, hilft wieder eine Messmarke auf einer kleinen weißen Stelle: Ist diese sonnenbeschienen, sollte Rot um ca. 3-10 Punkte stärker als Grün, dieses um ca. 3-10 Punkte stärker als Blau sein. Bei Blitzlicht oder bei bewölktem Himmel sollten die Werte etwa gleich sein.
6. Bei Negativfilmen ist, anders als bei Dia-Filmen, das Multi-Exposure-Scannen (ME-Button) meist überflüssig. Ausnahme: Bei sehr hell belichteten Bildern mit großen hellen Flächen kommt es bei meinem Scanner hin und wieder zu schwacher Streifenbildung in Scanrichtung in diesen hellen Flächen. Mit der ME-Einstellung läßt sich das verhindern. Mit dieser Einstellung läßt sich auch das Bildrauschen in hellen Flächen, das in Farbbildern oft einen leichten Rotstich der Wolken verursacht, reduzieren.

Lothar
Beiträge: 3
Registriert: Mittwoch 20. Mai 2020, 13:44

Re: Frage IT8 Target Kodachrome (Dia)

Beitrag von Lothar »

Hallo,
erst einmal vielen Dank für Eure Tipps Jossie und Martinus.
Ich komme später darauf zurück, da sicher in der Praxis Fragen auftauchen.
DJI Osmo Pocket, DJI Osmo Zenmuse 3, Nikon Coolscan 5000 ED, CanonScan 9000f Mark II, SilverFast Ai Studio

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