Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Fragen/Themen zu Nikon-Filmscannern
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Andi_Y
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Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Andi_Y » Sonntag 21. August 2016, 08:10

Hallo,

ich stehe vor der Aufgabe, eine Fotosammlung einzuscannen. Darunter befinden sich auch wenige Filmstreifen mit dem Format Pocketfilm 110 und einige Mittelformat-Streifen (schwarzweiß, ADOX). Da auch noch zahlreiche (200?) Kodachrome-Diapositive mit dabei sind, überlege ich mir, einen Nikon Coolscan 9000 zu kaufen (wegen der Staubentfernung bei Kodachromes).

Hierzu meine technischen Fragen:

1) Ist bei den Mittelformatstreifen etwas zu beachten? Diese müssten ja mit dem standardmäßig mitgelieferten Filmstreifenhalter FH-869S gescannt werden können.
2) Wie scanne ich den Pocketfilm? Benötige ich dazu die Glasbühne? (die wird man wohl nicht wieder verkaufen können, oder?)
3) Kennt Ihr eine Möglichkeit, sich einen Coolscan 9000 zu leihen?

Was sollte man denn bei dem Kauf beachten? Was sind derzeit realistische Kaufpreise? Wurde von Nikon die Garantiekarte mit der Seriennummer ausgeliefert? Was haltet Ihr von dem Kauf über Ebay (positive/negative Erfahrungen?)

Viele Grüße,

Andreas

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Jossie
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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Jossie » Sonntag 21. August 2016, 10:36

Guten Morgen Andreas,
Andi_Y hat geschrieben:wegen der Staubentfernung bei Kodachromes
Diese Aussage geht wohl auf die ScanDig-Seite über Kodachrome zurück. Nachdem dort aber dieser Scanner nur noch zusammen mit SilverFast angeboten wird, kommt dann doch wohl auch das SF iSRD für die Staub- und Kratzerentfernung zum Tragen. Damit wäre die Aussage eigentlich hinfällig, dass nur der Nikon Coolscan 9000 die Staub- und Kratzerentfernung für Kodachrome kann. Die Staubentfernung bei Kodachrome-Dias funktioniert auch mit einem reflecta DigitDia und SilverFast recht gut. Man muss nur die Parameter richtig einstellen. Allerdings hat man neuerdings bei SF in iSRD (Staub- und Kratzerentfernung) die Ebenen entfernt und man kann nur noch eine Maske verwenden. Das ist schon ein sehr spezielles Thema, auf das ich aber bei Bedarf noch näher eingehen kann.
Andi_Y hat geschrieben:Kennt Ihr eine Möglichkeit, sich einen Coolscan 9000 zu leihen?
Google doch nach Scanner-Verleih (man darf hier keine Links angeben). Aber wenn Du keine Erfahrung mit Scannern und Bildbearbeitung hast, würde ich Dir davon abraten. Einzige Ausnahme: Scannen ins Rohformat und Kauf einer Software-Lizenz für die spätere Bildbearbeitung.
Andi_Y hat geschrieben:Was sollte man denn bei dem Kauf beachten?
Wenn es sich um einen gebrauchten Scanner handelt, dann sollte er auf jeden Fall nicht allzu viele Scans auf dem Buckel haben (die Scananzahl wird normalerweise im Scanner gespeichert und kann über die Software ausgelesen werden). Es gibt einige Verschleißteile: flexibles Flachbandkabel, das den beweglichen Scankopf mit der Elektronik verbindet, Spindel, auf der der Schrittmotor läuft, Zahnräder. LEDs und CCD altern normalerweise kaum bzw. nicht, obwohl ich bei einem meiner Scanner schon einen starken Helligkeitsverlust der LEDs hatte, so dass die Einheit ausgetauscht werden musste.

Es gibt ja auch die Option, scannen zu lassen. Bei einer relativ geringen Zahl Bilder ist dies durchaus eine Option (Probescans anfordern!).

Zu Deinen anderen Fragen kann hoffentlich jemand anderes noch etwas beitragen.

Hermann-Josef
Zuletzt geändert von Jossie am Sonntag 21. August 2016, 21:05, insgesamt 4-mal geändert.
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Joe
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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Joe » Sonntag 21. August 2016, 10:59

Bei Mittelformat wird Dir auch z.B. ein Canon CanoScan 9000F schon ordentliche Ergebnisse liefern.

Pocketfilm sollte genau so schwierig sein wie APS - dazu gibt es hier im Forum den einen oder anderen Beitrag. Hier ist viel experimentieren und "Handarbeit" angesagt. Von den Ergebnissen solltest Du auch keine Wunder erwarten. Dazu sind diese Negative einfach zu klein. Wenn Du noch Abzüge von den Filmen hast, ist es eventuell sinnvoller die zu scannen.

Schwarzweiß: ist nach meinen Erfahrungen "eine Wissenschaft für sich" - da solltest Du Dich darauf einrichten das Du viel Zeit zum experimentieren benötigen wirst.

Nikon Coolscan 9000 = die werden ja "neu" und gebraucht zu vollkommen überzogenen Preisen gehandelt (neu ca. 7.000 Euro, gebraucht ca. 3.000 Euro). Wenn es Dir die Sache aber wert ist, bekommst Du da sicher ein tolles Gerät. Meiner Meinung nach lässt sich das gleiche aber, besonders bei Deinem Material, mit anderen Scannern erheblich günstiger erledigen.

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Jossie
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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Jossie » Sonntag 21. August 2016, 19:40

Joe, dieses Thema hatten wir doch schon mehrmals.

Wenn jemand bereit ist, einen Mercedes zu kaufen, dann sollte man ihn nicht überzeugen wollen, sich einen Fiat500 zuzulegen! Ein Vergleich zwischen Flachbettscanner und dediziertem Diascanner hatte ich hier bereits gezeigt.

Hermann-Josef
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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Joe » Sonntag 21. August 2016, 20:23

Da zitiere ich mich mal selbst: "Wenn es Dir die Sache aber wert ist, bekommst Du da sicher ein tolles Gerät." ;)

Soviel zum "Mercedes".

Der verlinkte Vergleich bezieht sich auf KB-Format. Bei Mittelformat und vor allem bei Pocketfilm sieht es doch wieder ganz anders aus: bei Mittelformat liefern auch andere Scanner sehr gute Ergebnisse. Mit Pocketfilm habe ich selbst keine Erfahrungen, da die Negative aber noch kleiner als APS sind erwartet ich da a) Probleme b) keine gute Qualität (das geben die Negative einfach nicht her). Anmerkung: APS habe ich schon gescannt.

Andi_Y
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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Andi_Y » Sonntag 21. August 2016, 22:10

Hallo,

vielen Dank für die schnelle Hilfe!

Habt Ihr einen Nikon Coolscan (mal gehabt)? Wie viele Scans haben die denn (für mich als Richtwert) so auf dem Buckel, und wie liest man diesen Parameter aus?

Zur Staubentfernung: Ich dachte, dass das IR-Licht nicht durch die Silberschicht kommt. Wie hat Nikon das beim 9000er gelöst? Und ist die Option bei Reflecta + SF rein softwarebasiert?

So viel habe ich jetzt herausgefunden: Für den Pocketfilm ist der 16-mm-Filmhalter notwendig. Den gibts aktuell bei ebay gar nicht und kostet bei Amazon 378 Euro. Für die 50 Pocketfilm-Fotos gebe ich das wohl besser in Auftrag.

Viele Grüße, Andreas

Joe
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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Joe » Montag 22. August 2016, 06:28

Ich hatte keinen Nikon. Für KB Dias war/ist der Reflecta DigitDia besser geeignet.

Probiere doch einfach mal einen Canon 9000F aus - der kostet ja nur um die 200 Euro. Wenn Du nicht zufrieden bist kannst Du immer noch eine andere Lösung suchen. Ich denke die Investition ist bei Deinem Vorhaben kein Beinbruch.

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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Jossie » Montag 22. August 2016, 09:33

Guten Morgen Andreas,
Andi_Y hat geschrieben:Habt Ihr einen Nikon Coolscan (mal gehabt)?
Nein, ich kenne nur die Testwerte. Ihn zeichnet vor allem der höhere Dichteumfang aus im Vergleich zu anderen Scannern.
Andi_Y hat geschrieben:Wie viele Scans haben die denn (für mich als Richtwert) so auf dem Buckel, und wie liest man diesen Parameter aus?
Reflecta gibt Garantie auf 2 Jahre oder 20000 Scans, je nachdem, was zuerst eintritt. Bei den Scans zählen auch Vorschauscans und ME-Scans natürlich mit. Wahrscheinlich bräuchte man zum Auslesen der Scanzahl NikonScan, s.u. unten.
Andi_Y hat geschrieben:Ich dachte, dass das IR-Licht nicht durch die Silberschicht kommt.
Das ist nur bei (den allermeisten) SW-Negativen der Fall. Bei "normalen" Diaemulsionen zeichnet sich das Motiv im IR-Kanal fast nicht ab. Kodachrome hat einen höheren Silberanteil, so dass sich das Motiv im IR-Kanal deutlich abzeichnet. Dadurch wird die Detektion der Defekte erschwert, aber nicht unmöglich. Das ist alles. Wenn Du dazu mehr erfahren möchtest, sollten wir das in einem separaten Faden diskutieren, denn das ist auch von allgemeinem Interesse.
Andi_Y hat geschrieben:Wie hat Nikon das beim 9000er gelöst?
Nach meiner Einschätzung kann hier auch nur der IR-Scan zur Verarbeitung kommen, wie bei anderen Scanner auch. Warum man das immer wieder "hardware-basierte Staubentfernung" nennt (das Dia wird ja nicht geputzt :D ), ist mir rätselhaft. Das Erstellen der Maske der Fehlstellen muss anhand des IR-Bildes per Software erfolgen -- allenfalls per Firmware, was ich aber nicht glaube. Wie gesagt, nachdem ScanDig den Coolscan9000 nur noch zusammen mit SilverFast ausliefert, sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied zu anderen Scannern, abgesehen von der optischen Qualität und dem höheren Dynamikumfang.
Andi_Y hat geschrieben:Und ist die Option bei Reflecta + SF rein softwarebasiert?
Ja, siehe oben. Ich erwarte, dass das beim Coolscan + SF auch so ist. Aber Du kannst ja mal bei ScanDig nachfragen, was man Dir dazu sagt? Es wäre auch interessant zu wissen, ob NikonScan mitgeliefert wird bzw. von der Nikonwebseite heruntergeladen werden kann. Aber Vorsicht: Soweit ich weiß, läuft Nikonscan nur unter Windows XP!!
Joe hat geschrieben:Probiere doch einfach mal einen Canon 9000F aus
Siehe meinen Kommentar und Link von gestern. Die Qualität der Scans mit einem Flachbettscanner kommt bei weitem nicht an die Qualität eines DigitDia oder gar CoolScans heran. Auch FARE ist nach meinen Erfahrungen im Ergebnis nicht mit iSRD zu vergleichen!

Beste Grüße

Hermann-Josef

PS: Da mich das interessiert, rief ich selbst bei ScanDig an. Die Auskunft war etwas enttäuschend. So genau wusste die Dame nicht, was da hardwaremäßig vorgeht. Jedenfalls läuft NikonScan nicht mehr unter den neuen Betriebssystemen, daher wird SilverFast angeboten. Dieses nutzt iSRD, so wie bei den anderen Scannern auch. Das ist also so, wie ich vermutet hatte. Weitere Aussage war, dass alle Scanner mit IR-Scanpotential als "hardware-basierte Staub- und Kratzerentfernung" bezeichnet werden. Es wird dann immer der IR-Scan per Software ausgewertet. Auch in Wikipedia wird das so beschrieben. Dort wird zwar behauptet, "... the general concept is to subtract the position of scratches and dust from the RGB image...", was Unsinn ist, denn hier kann nichts subtrahiert werden. Der IR-Scan zeigt nur, wo der Staub sitzt. Dann muss die Software an diesen Stellen das RGB-Bild interpolieren, um so das Bild zu restaurieren. In der Art und Weise, wie diese Staubdetektion und die Interpolation funktionieren, darin unterscheiden sich die verschiedenen Programme wie SF, NikonScan oder auch VueScan.
Zuletzt geändert von Jossie am Montag 22. August 2016, 21:09, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Pocketfilm 110 und Mittelformat ADOX

Beitrag von Joe » Montag 22. August 2016, 15:55

Staub- und Kratzerentfernung mit IR = Hardware-basiert. Da die Daten dazu von einem Hardware-Teil im Scanner kommen ;)

Im Gegensatz zur rein Software-basierten Staub- und Kratzerentfernung. ;)

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