Coolscan 5000 – komplette Diasammlung scannen

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gerd as färdd
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Registriert: Sonntag 1. März 2015, 13:16

Coolscan 5000 – komplette Diasammlung scannen

Beitrag von gerd as färdd » Sonntag 1. März 2015, 18:09

Hallo zusammen,

Ich war ziemlich überrascht als ich gesehen habe dass es noch ein aktuelles Forum zum Coolscan 5000 gibt. Immerhin wird der schon seit Jahren nicht mehr produziert.
Habe einen neuen Thread aufgemacht. Vielleicht interessiert's ja den Einen oder die Andere :-)

Aber zunächst mal meine kurze Geschichte:
Ich bin seit Urzeiten (seit 2004, um genau zu sein) Besitzer eines Coolscan 5000. Den hab nur sporadisch verwendet, neulichst (Weihnachten 2014, also vor ca. 10 Wochen) aber wieder ausgegraben. Und hab mich damit ernsthaft an das Wahnsinnsprojekt gewagt, meine ca. 10000 (jawohl: zehntausend) Dias einzuscannen.
Nach etwa 2500 Dias glaube ich genug Erfahrung zu haben, um hier berichten zu können.

Hardware: Coolscan 5000 ED (d.h. mit IR-Kanal), Diaeinzugseinheit SF-210.
Software: Nikon Scan 4.03, Photoshop CS6, Windows 7 64 Bit.

Probleme und Lösungen:

Installation auf 64 Bit Systemen: Das Problem, dass sich Nikon Scan mangels 64-bit Treiber nicht installieren lässt, hab ich umgangen, indem ich vorher die Testversion von VueScan installiert habe. Die installiert einen 64 bit Treiber, den Nikon Scan dann nutzen kann. VueScan selber muss man ja nicht nutzen. Funktioniert auch mit Windows 8. Den Tipp habe ich beim Lumiere-Forum gefunden. Bei Nikon-fotografie.de findet sich auch was dazu… Ich konnte sogar VueScan wieder deinstallieren (bei geöffnetem Nikon Scan). Anscheinend schützt das den Treiber vor der Deinstallation.

Positioniergenauigkeit des SF-210: Die ist leider nicht besonders gut. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass der voreingestellte Bildausschnitt vom nächsten Dia auch getroffen wird. Ich scanne daher immer den vollen Bereich und habe ein Photoshop basiertes Freistellungsscript geschrieben, das ca. 95% aller Bilder freistellt. Grundsätzlich funktioniert es so, dass es die Gradation extrem aufsteilt, dann einen niedrigen Schwellwert setzt und so aus dem Bild ein reines sw-Bild macht, bei dem die von den Diarähmchen verursachten Ränder zuverlässig schwarz sind. Jetzt muss ich nur noch von links nach rechts, von rechts nach links, von oben nach unten und von unten nach oben nach dem ersten weißen Pixel suchen. Damit hab ich die Position des Randes und kann freistellen lassen. Das ist in der Praxis noch etwas komplizierter, weil verschiedene Fälle zu betrachten sind, aber es funktioniert recht zuverlässig. Die Bilder, die nicht automatisch freigestellt werden können, landen auf einem eigenen Verzeichnis und ich kann sie mit zwei Photoshop Aktionen manuell freistellen.

Beschnitt: Maximaler Scanbereich 25,1 × 36,8 mm = 5782 x 3946 Pixel. Hama Diarähmchen innen 23 x 35 mm. Vom KB-Format geht also schon mal 1/2 mm Rand je Seite ab. Das Ergebnis beschneide ich dann auf 5325 x 3550 px. Das habe ich so gewählt, um das Seitenverhältnis von 2:3 beizubehalten. D.h. vom 24x36 Dia bleiben nur ca. 33,8 x 22,8 mm.

Einstellungen in Nikon Scan: Mein meistbenutzter Film war der Fujichrome 100 und der kommt beim Scannen mit einem leichten Grünstich raus. Daher habe ich die Gradationskurve für Grün etwas abgesenkt. Weil die Dias nun etwas zu dunkel rauskommen, habe ich die Analogverstärkung erhöht. Die Analogverstärkung deshalb, weil natürlich ein Aufsteilen der Gradationskurve (für alle Kanäle) die Schwarz-Werte auch aufsteilt. Damit werden aber dann die von den Diarähmchen abgedeckten Ränder (Streulicht!) auch aufgehellt und meine Randdetektion funktioniert nicht mehr zuverlässig. Bei der Analogverstärkung passiert das nicht, die Ränder bleiben schwarz. Ansonsten hab ich nur noch die IR-Staubdetektion aktiviert. Einstellung auf 'fein'

Vorbereitung der Dias: Ich habe mir aus einem gewinkelten Plastikstück und einem 40 mm Abflussrohr einen Staubsaugeraufsatz gebastelt, mit dem ich über die Diamagazine hinwegsauge und so den Staub entferne.


Archivformat: Ich scanne als tif mit 16 Bit Farbtiefe. Die Dateien sind riesig, 110 MB. Das oben angeführte script skaliert die freigestellten Bilder auf 3600 x 2400 Pixel und speichert sie als komprimierte 16 Bit png. Die Auflösung entspricht ca. 2800 dpi, das ist mehr als ein 100er Diafilm hinkriegt und mit 16 Bit hab ich genug Reserven für spätere Bearbeitungsschritte. Die pngs sind ca. 35 bis 40 MB groß. Die tifs werden gelöscht.

Nachbearbeitung: An den pngs mache ich nichts mehr. Stattdessen erzeuge ich daraus jpgs. Entweder mit Photoshop, Automatisierung, scripten, wobei eine Aktion für die Bildverbesserung sorgt. Oder, was auch geht, mit einem raw-Konverter. Einige davon können auch pngs als Eingangsformat aufnehmen.

Automatisierung: Ein Diascan braucht ca. 2 Minuten. Die Zeit für die script-Ausführung fällt nicht ins Gewicht, weil das script sozusagen im Hintergrund läuft. Genauer gesagt, es läuft in einer Endlosschleife und wartet darauf, dass ihm der Scanner neue tifs präsentiert. Wenn es nichts zu tun hat, legt es sich schlafen. Wenn die Scansoftware beendet wird, beendet es sich ebenfalls.

Zeitproblem & weitergehende Automatisierung: Ein Dia braucht ca. 2 Minuten. Zwei Standardmagazine schlagen mit 3 ½ Stunden zu Buche, incl. sichten, manuell freistellen der nicht automatisch freigestellten Bilder, drehen der Hochformataufnahmen. Dazu alle 50 Minuten mal Dias austauschen, weil der SF-210 maximal 30 Dias aufnehmen kann.
Da ich der Minderheit der berufstätigen Menschen angehöre, schaffe ich pro freiem Abend gerade mal einen Diakasten. Ich habe aber 100 davon. Ist also ein Jahresprojekt, etwas Freizeit will ich ja auch noch…
Es sei denn man kann die Automatisierung noch weiter treiben. Und das geht: Ich habe mir aus Sperrholz eine Rutsche gebaut. Die hat die Form eines Doppel-U und verlängert den Einzugs- und Ausgabeschacht. Die ganze Einheit aus Scanner und Einzugseinheit plus Verlängerung habe ich auf eine Sperrholzplatte montiert und diese dann um ca. 30° gekippt. Den Rest erledigt die Schwerkraft.

Leider ist das Eingabefeld für Serienscans in der Nikon-Software nur zweistellig, man kann also nur 99 Dias auf einmal scannen. Aber das ist immerhin das 4-fache von den 25 Bildern, die ich sonst reinbringe. Mit anderen Worten: Ich habe nach dem Beschicken der Maschine 3 1/2 Stunden meine Ruhe. Damit kann ich am Abend mit einmal nachlegen 4 Standardmagazine schaffen. Und damit reduziert sich das Projekt auf 10000 / 200 = 50 Abende.

So - habe fertig. Würde mich freuen, wenn meine Erfahrungen irgendjemanden helfen.

Gruß
Der Gerd as Färdd

Massaguana
Beiträge: 1
Registriert: Donnerstag 25. Juni 2015, 11:08

Re: Coolscan 5000 – komplette Diasammlung scannen

Beitrag von Massaguana » Donnerstag 25. Juni 2015, 11:11

Hallo Gerd,

würdest du mit dein Photoshop Script zum freistellen uns zu Verfügung stellen?

Grüße
Massaguana

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