Sättigung bei Scans von Farbnegativen

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Jossie
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Sättigung bei Scans von Farbnegativen

Beitrag von Jossie » Montag 7. Dezember 2015, 17:11

Hallo zusammen,

nachdem ein entsprechender Faden im SilverFast-Forum vom Moderator gesperrt wurde, bevor die Lösung berichtet werden konnte, will ich diese Frage hier nochmals aufrollen, da sie von allgemeinem Interesse sein könnte.

Ausgangsproblem: Bei mir sind einige Scans von Farbnegativen im R-Kanal gesättigt. In SilverFast-HDR bekommt man die Sättigung nicht gleich zu Gesicht, da das Histogramm dort den Zustand nach Herausrechnen der Orange-Maske darstellt. Man muss sich die Histogramme im Expertenmodus von NegaFix unter "Ausdehnung" genau ansehen, um diese zu bemerken. Da eine Sättigung in R Auswirkungen auf das Herausrechnen der Orange-Maske haben kann (je nach Stärke und angewandtem Algorithmus), suchte ich nach einem Ausweg, die Sättigung zu verhindern. Da SilverFast im Fall von Negativen die analoge Verstärkung deaktiviert (wohl um die Gültigkeit der mitgelieferten NegaFix-Profile zu gewährleisten), kann man die analoge Verstärkung nicht absenken, um die Sättigung zu verhindern. Ich hatte daher den Versuch unternommen, ein Farbnegativ mit der Einstellung "Positiv" ins Rohformat zu scannen, zunächst mit der Standardeinstellung der analogen Verstärkung. In HDR wurde dann NegaFix aktiviert und das Bild als Positiv ohne weitere Bearbeitung abgespeichert. Zum Vergleich wurde ein Scan ins Rohformat mit der Einstellung "Negativ" durchgeführt und in HDR gleichermaßen als Positiv abgespeichert (d.h. dies wäre die Standardnutzung). Im Ergebnis haben sich die Bilder deutlich in der Farbgebung unterschieden, obwohl die Rohbilder (bis auf das Rauschen) identisch waren (Differenzenbild in imageJ gebildet war gleich Null). Damit schien mir dies kein gangbarer Weg zu sein, warum auch immer.

Lösung: Diesen Versuch wiederholte ich mit der neuen SF-Version 8.8.0r1 und erhielt Bilder mit gleicher Farbgebung :o . Ich bin der Ursache nachgegangen und stellte fest, dass der Farbunterschied auf das ICC-Profil zurückgeht! Im neuen Versuch hatte ich explizit kein ICC-Profil eingebettet, in den früheren Versuchen hatte ich nicht darauf geachtet. Dort war irgendein Profil eingebettet, das halt dem Positiv-Modus zugeordnet war. Lädt man nun ein Rohbild in HDR, das im Positivmodus mit eingebettetem ICC-Profil gescannt wurde, so wendet HDR -- so wie es sein soll -- das ICC-Profil an. Schaltet man dann aber auf NegaFix um, so greift HDR offenbar nicht -- wie es sein sollte -- auf die Rohdaten sondern auf die mit dem ICC-Profil korrigierten Daten zu :o (obwohl unter "Einstellungen - CMS" das Eingabeprofil als deaktiviert angezeigt wird)! Dadurch kommt der Farbunterschied zu Stande. Schaltet man im Einstellungsdialog zuerst das eingebettete ICC-Profil aus (oder bettet erst gar keines ein) und geht erst dann zu NegaFix über, stimmen die Farben überein, wie man es erwartet. :D

Damit kann man, so man denn möchte, hoffentlich Scans von Farbnegativen ins Rohformat als Positiv machen und dabei die analoge Verstärkung absenken, um Sättigung zu vermeiden. Ggf. muss man dann in HDR ein entsprechendes NegaFix-Profil erstellen.

Hermann-Josef

PS: Da SF auch beim ordentlichen Scan als Negativ das dem Positiv zugeordnete ICC-Profil in die Rohdaten einbettet, kann man obigen Fehler auch durch unglückliches Umstellen in den CMS-Einstellungen hervorrufen. Warum beim Negativ-Scan (manchmal!) das Positiv-ICC-Profil eingebettet wird, ist mir ein Rätsel. HDR meldet auch ein eingebettetes ICC-Profil, wenn gar keines eingebettet wurde (EXIFtool zeigt kein eingebettetes ICC-Profil an), aber unterschiedliche, je nach Verlauf. Welche Konsequenz dies hat, muss noch abgeklärt werden.
DigitDia6000 (CyberView, SilverFast Archive Suite 8) / CanoScan9950F (ScanGear, VueScan Pro), Eizo CS240, Spider4Elite unter Win10 (64bit), i7 (3.5GHz), Speicher 24GB

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