Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtung

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ostbhf
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Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtung

Beitrag von ostbhf » Mittwoch 29. Juni 2016, 13:21

Hallo,

ich versuche gerade alte SW Filme mit einem geliehenen Nikon Super Coolscan 4000 ED und Nikon Scan 4.0 zu digitalisieren.

Sicher auch, weil die Negative schon 70 Jahre alt und gewölbt sind, habe ich einen besonders großen Dynamikumfang, dh. oft sind die Lichter ausgefressen/ausgebrannt, besonders oft an den Bildrändern, während bei gleicher Belichtung die Tiefen gerade gut durchzeichnet sind. Das heißt ich muss mit der Belichtungshelligkeit („Analog Gain“ in Nikon Scan 4.0) immer einen Kompromiss eingehen. 1. nicht zu hell, um die Lichter nicht zu sehr auszubrennen und 2. nicht zu dunkel, um in den Tiefen nicht zu viele Informationen zu verlieren.

Man könnte mehrfachscanns mit verschiedenen Belichtungen machen und dann hdr-mäßig übereinanderlegen, aber dann würde ich hier zeitmäßig überhaupt nicht mehr durchkommen.

Nach welchen Kriterien/Prioritäten würdet ihr solch einen Kompromiss treffen? Findet ihr tendenziell die Tiefen oder die Lichter relevanter, wie ungünstig ist es, wenn der Himmel zum Rand hin leicht ausbrennt, wenn dafür aber die Tiefen viel differenzierte Information enthalten. Sind leicht ausgebrannte Lichter vielleicht gar nicht unbedingt so schlimm, ist es einfach eine normale Überbelichtungserscheinung, mit der man leben muss und sich dadurch nicht dazu verleiten lasen sollte, wertvolle Informationen in den Tiefen zu verschenken? Ich habe das Gefühl, die Scannerlampe herabzuregel bedeutet, in den Lichtern/im Himmel ein paar wenige Nuanchen hinzuzugewinnen, dafür aber unverhältnismäßig viele Informationen in den Tiefen zu verlieren. Verringere ich die Belichtung werden oft die tiefsten Dunkelheiten tendenziell Schwarz und verlieren ihre Differenzen, lassen sich per Gradiationskurve nicht mehr gut mit den anderen Zwischentönen ins Verhältnis bringen. Andererseits sieht ein Himmel, der nicht einfach ins Leer-weiße übergeht, sondern noch feine helle Graustufendifferenzen enthält doch viel schöner aus. Zumal der stufenlose Übergang von Informationsgehalt zu ausgebranntem Bereich im Himmel manchmal unschön aussieht, weil dadurch der ausgebrannte Bereich sich wie mit einer Kontur vom durchzeichneten und Körnung zeigenden absetzt, auch keine Körnung mehr zeigt, und dadurch der Himmel in 2 Teile zu zerfallen scheint, aber ich bin mir unsicher, ob ich mich vielleicht nur zu sehr auf dieses Phänomen konzentriere und es eigentlich in der Fotografie ganz normal und unvermeidlich ist. Schließlich hat man beim Fotografieren einer Lichtquelle eigentlich immer mit Überbelichtung zu tun (zB. beim fotografieren der Sonne).

Welche Prioritäten legt ihr bei so einem Kompromiss an? Was ist das weniger schlimme?

Mein Ziel ist immer möglichst viel Information einzufangen, scanne mit 14 Bit, Gradiation bearbeite ich danach.

Danke!

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Jossie
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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von Jossie » Mittwoch 29. Juni 2016, 14:55

Hallo,

so ganz verstehe ich Dein Problem nicht. Dieser Scanner hat einen hohen Dynamikumfang und wenn Du mit 16Bit/Kanal scannst sollten die Daten alle Information enthalten, vorausgesetzt, dass die hellsten Stellen nicht gesättigt sind. Ich würde zunächst die analoge Verstärkung so einstellen, dass ohne Vorlage keine Sättigung (oder nur minimale, da der Film selbst schon noch etwas absorbiert, auch wenn er ganz durchsichtig erscheint) auftritt. Mit dieser Einstellung solltest Du dann über die Gradationskurve und Histogrammeinstellungen die Bilder zufriedenstellend optimieren können. Zusätzlich könntest Du noch "tone-mapping" bemühen (z.B. mit RawTherapee oder NIK Collection), aber nur sehr vorsichtig.

Hermann-Josef
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ostbhf
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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von ostbhf » Mittwoch 29. Juni 2016, 15:07

Danke für die schnelle Antwort. Naja, genau darum geht es mir ja. Dass ich um eine Sättigung der Lichter zu vermeiden die analoge Verstärkung so weit herabregeln muss, dass es mir vorkommt, als würde ich in den Tiefen Informationen verlieren oder jedenfalls das Spektrum dort so zusammenstauchen, dass ich bei der Nacharbeit mit Gradiationskurven in den Tiefen Schwierigkeiten habe natürliche Abstufungen in den Tonwerten herzustellen. Sicherlich wird das Spektrum in den Schatten NICHT ABGESCHNITTEN, insofern sammele ich auch bei herabgeregelter Analogverstärkung alle Informationen aus den Tiefen ein. Aber die InformationsDICHTE in den Tiefen wird geringer/zusammengestaucht und ich empfinde das als einen Verlust.

Was mich an deiner Antwort interessiert, ist, dass minimale Sättigung auftreten darf. Ich suche nach einem guten Mittelweg in bei der Anpassung der analogen Verstärkung.

Wie weit würdest Du Sättigung in Kauf nehmen? Beim Fotografiern in eine Lichtquelle hat man doch zB. zwangsläufig auch eine Sättigung. Würde ich bei solch einem Bild die Analogverstärkung so weit herabregeln, dass kaum noch Sättigung in der Lichtquelle auftritt, hätte ich in jedem Fall Information in den Tiefen verloren. Das als Extrembeispiel. Sicherlich hat der Nikon eine große Dynamikbandbreite, aber SW-Negative enthalten eben auch eine frappierend große Dynamikspannweite.

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Jossie
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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von Jossie » Mittwoch 29. Juni 2016, 16:53

ostbhf hat geschrieben: Beim Fotografiern in eine Lichtquelle hat man doch zB. zwangsläufig auch eine Sättigung.
Hier liegt wohl ein Missverständnis vor. Es geht nicht um die Sättigung im Film sondern beim Scan (digitale Sättigung bei 65535).

Mein Scanner sättigt in R auch bei minimaler analoger Verstärkung, wenn ich ein leeres Diarähmchen scanne:
Saettigung_R.jpg
Histogramm des R-Kanals bei minimaler analoger Verstärkung. Die Gausskurve wird rechts noch etwas angeknabbert.
Saettigung_R.jpg (16.5 KiB) 1284 mal betrachtet
ostbhf hat geschrieben:Aber die InformationsDICHTE in den Tiefen wird geringer/zusammengestaucht und ich empfinde das als einen Verlust.
Du kannst das doch in einem Versuch feststellen, ob Du tatsächlich etwas "verlierst". Vergleiche doch mal zwei Scans mit unterschiedlicher analoger Verstärkung und vergleiche die Bilder z.B. in einem Differenzenbild.
ostbhf hat geschrieben: Ich habe das Gefühl, die Scannerlampe herabzuregel bedeutet, in den Lichtern/im Himmel ein paar wenige Nuanchen hinzuzugewinnen, dafür aber unverhältnismäßig viele Informationen in den Tiefen zu verlieren.
Wir reden doch von Negativen?? D.h., die Absenkung der analogen Verstärkung staucht die dunklen Stellen, d.h. im Positiv dann die hellen, z.B. den Himmel, wo Du befürchtest, Details zu verlieren.
ostbhf hat geschrieben: lassen sich per Gradiationskurve nicht mehr gut mit den anderen Zwischentönen ins Verhältnis bringen.
Wie sehen Deine Gradationskurven aus, welche Form haben die? Mit S-förmigen Kurven kannst Du dunklen Stellen aufhellen und gleichzeitig helle Stellen abdunkeln. Wie gesagt, glaube ich nicht, dass Du bei 16Bit und Ausschöpfen des digitalen Wertevorrates bis 65000 irgendwo etwas verlierst. Letztendlich hast Du ein Visualisierungsproblem. "Tone-mapping"wie bei HDR angewandt, befasst sich genau mit diesem Problem. Ein ME-Scan (Hereinrechnen eines zweiten Scans mit doppelter Belichtungszeit), wie von Dir angesprochen, bringt bei meinem Scanner (und wohl erst recht bei Deinem) nur geringfügig etwas, wenn man die analoge Verstärkung auf das Minimum gesetzt hat.

Die 16Bit brauchst Du eigentlich nur zum Archivieren und zur Bildbearbeitung (Stichwort Tonwert-Abriss). Im Endprodukt wirst Du die 16Bit kaum nutzen können, denn die kann kein Monitor darstellen und auch kein Drucker zu Papier bringen.

Hermann-Josef
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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von ostbhf » Mittwoch 29. Juni 2016, 18:09

Das Foto in den Screenshots ist ein Extrembild, weil der Himmel und die Landschaft sehr verschieden Hell sind. Aber umso besser kann man vielleicht erkennen, was ich meine.

Ich habe das gleiche Foto einmal ohne abgesenkte Analogverstärkung (Links) und einmal mit abgesenkter Analogverstärkung (Rechzts) gescannt. Und bei beiden Scans jeweils nocheinmal die Tonwerte so weit reduziert, dass nur noch die Landschaft (/bzw. eben die tiefen Töne) sichtbar sind und der Himmel aus dem dargestellten Spektrum herausfällt (Untere Reihe).

Links (ohne herabgesetzte Verstärkung) ist der Himmel ausgebrannt, dafür enthalten die Schatten mehr Information, wie man im Screenshot darunter sieht und Rechts (mit herabgesetzter Vertsärkung) sind die Lichter im Himmel nicht ausgebrannt, aber im Screenshot darunter sieht man, dass dafür die Schatten weniger differenzierte Informationen enthalten.

Ich denke, dass liegt gar nicht unbedingt an mangelnder Kapazität der 16 Bit (bzw. 14 laut Nicon Scan4.0??), sondern daran, dass die Scannerlampe herabgeregelt in den Tiefen einfach nicht mehr genug Informationen differenzieren/durchdringen kann.

Was meinst du genau mit Tone-Mapping? Ich versuche immer mit den Gradiationskurven den Kontrast leicht abzusenken, um ein breiteres Dynamikspektrum zu erfassen/bzw. weiter in Licht und Schatten hineinzureichen (Edit: durch S-Förmige Gradiationskurven, wie du oben schreibst). Mehrere verschieden verstärkte Scans zu machen und in Photoshop zusammenzufügen wäre sicher ein guter Weg, aber für mich wie gesagt aus Zeitgründen nur bei Ausnahmebildern praktikabel.

Mit Farbdateien möchte ich eigentlich nicht arbeiten, weil ich mit den Datenmengen nicht arbeiten könnte, habe einen älteren Rechner und möchte trotzdem eine Auflösung von ca. 5500mal3500 und 14Bit erzielen.

Etwas irritiert bin ich noch über deinen Hinweis, das Sättigung in Film und Scan nicht dasselbe sind. Das ist einerseits klar, aber welche Rolle spielt das in diesem Zusammenhang? Ziel ist doch, die Sättigungsgrenzen der Negative nach oben und unten mit der Dynamikbandbreite des Scanners abzudecken, ohne dabei in eine Sättigung des Scans bzw. Informationsverlust in Schatten oder Lichtern hineinzulaufen.

Die linken Screenshots sind ohne abgesenkte Verstärkung, die rechten mit, bei den unteren ist das Tonwertspektrum auf die Landschaft/Tiefen eingeschränkt. Sorry, dass er so blöd eingebunden ist, man kann an der Seite noch in die Screenshots hineinscrollen.
Dateianhänge
Gradiationen.jpg
Gradiationen.jpg (283.51 KiB) 1280 mal betrachtet

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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von Jossie » Mittwoch 29. Juni 2016, 18:56

Guten Abend,
ostbhf hat geschrieben:Links (ohne herabgesetzte Verstärkung) ist der Himmel ausgebrannt, dafür enthalten die Schatten mehr Information,
Da stimmt was in der Argumentation nicht! Wenn man die analoge Verstärkung bei einem Negativ-Scan absenkt, dann werden die im Negativ hellen Stellen dunkler (kleinere Werte der Pixel). Im Positiv sind das aber die dunklen Stellen, die dann heller werden!!! Deine Argumentation kann nicht stimmen.
Was man möchte ist doch, dass der Scan in der Rohform, d.h. ohne jedwede Bildverarbeitungswerkzeuge, den Wertebereich (für 14Bit) von 0 bis 16383 überdeckt. Leider lassen mich die gezeigten Histogramme nicht erkennen, ob das der Fall ist.

Wenn obige Bedingung gegeben ist, dann solltest Du zwei Dinge einstellen: Schatten- und Lichterpunkt im Histogramm so setzen, dass sie die gut besetzten Bins einschließen. Bitte keine Tonwertreduktion vornehmen! Dann kannst DU die Gradationskurve so anpassen, dass sowohl die dunklen als auch die hellen Partien deutlich Struktur zeigen.
ostbhf hat geschrieben:dass die Scannerlampe herabgeregelt in den Tiefen einfach nicht mehr genug Informationen differenzieren/durchdringen kann.
Das genau, glaube ich eben nicht! Nicht bei diesem Scanner.
ostbhf hat geschrieben:Was meinst du genau mit Tone-Mapping?
Schau mal in Wikipedia.
Die Gradationskurven (für die Positiv-Darstellung) sollte in etwa so aussehen (dunkle Teile angehoben, helle etwas abgesenkt):
Gradation.jpg
Gradation.jpg (23.5 KiB) 1277 mal betrachtet
ostbhf hat geschrieben:Etwas irritiert bin ich noch über deinen Hinweis, das Sättigung in Film und Scan nicht dasselbe sind.
Das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Eine Sättigung im Film kannst Du nicht rückgängig machen. Die Belichtung beim Scan muss so ausgelegt sein, dass der Wertevorrat möglichst ausgeschöpft wird, d.h. dass das Histogramm möglichst alle Werte zwischen 0 und 16383 überdeckt (s.o.). Das gilt für die Rohdaten, wie sie vom Scanner kommen, ohne Bildbearbeitung!

Kannst Du mit Nikonscan Rohdaten abspeichern? Wenn ja, dann stelle doch mal ein Rohbild auf filebin und schick mir den Link per PN. Dann kann ich mir das ansehen.

Hermann-Josef

Hab Dir mal auf die Schnelle (d.h. ohne große Optimierung) ein Beispiel erstellt, allerdings in Farbe, da ich kein geeignetes SW-Bild habe. Sollte aber im Prinzip gleich ausgehen:
Links oben die auto-Korrektur in SilverFast, darunter eine S-förmig angepasste Gradationskurve. Rechts daneben, das Ergebnis jeweils einem "tone-mapping"-Algorithmus unterworfen (hier NIK-Collection HDR Efex Pro 2).
Gradation_S_tone_mapping.JPG
Gradation_S_tone_mapping.JPG (138.05 KiB) 1277 mal betrachtet
Im Original ist der Himmel rechts oben überbelichtet, d.h. da kann man nichts mehr herausholen.
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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von ostbhf » Mittwoch 29. Juni 2016, 22:34

Danke, Du hast sicher recht, da liegt ein Missverständnis meinerseits vor, dass Minuswerte bei Nikons „Analoggain“ die Lampenhelligkeit erhöhen statt herabsetzen, ist für einen Anfänger kontraintuitiv, daher kommt vermutlich mein Missverständnis.

Wie gesagt, ich experimentiere mit einem geliehenen Scanner und bin alles andere, als ein Profi im Umgang mit analoger Fotografie und Filmscannen. Aber ich habe aufgrund anderer künstlerischer Tätigkeiten etwas Ahnung, Gefühl und Ansprüche an Bildqualität im Allgemeinen und versuche dem gerecht zu werden und mich mit dem Filmscannen ernsthaft auseinanderzusetzen.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe und dem so ist, dass ein dunkleres Positiv durch eine höhere Lampenhelligkeit beim Negativscan zustande kommt (umgekehrt, als ich es bisher argumentiert habe), habe ich dennoch, wenn ich das Gain so einstelle, dass die Lichter gerade nicht ausgebrannt sind je nach Dynamikumfang des Bildes oft deutlich weniger Informationen in den Schatten, als wenn ich das Gain nicht dem höchsten Licht nachregeln würde. Ich denke das wird an meinem Screenshots deutlich. Und das stört mich.

Woran liegt die geringere Qualität der Tiefen DANN, wenn nicht an zu WENIG Licht? Das müsste bedeuten, dass MEHR Licht die durchsichtigen Tiefen des Negatives sozusagen überstrahlt und dadurch weniger differenziert erfasst.

Ich finde in meinen Screenshots kann man im Vergleich sehen, dass sich die Tiefen in der Qualität auf jeden Fall unterscheiden.

Ich kann nur als TIFF oder NEF (?) speichern.

Eigentlich möchte ich vor allem den besten Kompromiss finden für genügend Informationen in Licht und Schatten und frage mich, wieweit ausgefressene Lichter aus der Sicht z.B. eines Fotografen akzeptabel sind oder auch mal dazugehören, inwieweit beim Scannen von SW-Negativen überbelichtete helle Bereiche Teil des Prozesses sind und dazugehören, etwas, womit man umgeht, vielleicht auch in der Nachbearbeitung oder etwas, was man in jedem Fall vermeidet. Diesbezüglich bin ich mir unsicher, wie ich mit meinen Negativen umgehe.

Das mit den S-förmigen Gradiationen mache ich auch so.

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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von ostbhf » Donnerstag 30. Juni 2016, 04:07

Habe jetzt herausgefunden, wo glaube ich das Hauptproblem liegt. Auf der Tonwertskala von 0 bis 255 sind im Schatten unter 27 die Werte immer abgeschnitten/leer. Würde mich interessieren, ob das anderen mit dem Nikon Coolscan 4000 auch so geht. Oder ist das normal? Wenn ich die Analogverstärkung so einstelle, dass die Schatten unter 27 beginnen sollten, ist das Spektrum dort abgeschnitten und beginnt bei 27 direkt auf hoher Intensität, nicht weich von Intensität 0 ansteigend. Das heißt die tiefsten Tiefen sind dann keine Punkte, sondern Flächen/ganze Bereiche ohne Differenzierung. Das heißt der tatsächliche Dynamikumfang des Scanners reicht nur von 27-255. Da die Spektrumsskala in Nikon Scan 4.0 aber natürlich von 0-255 nummeriert ist, ist das nicht ohne Weiteres erkennbar. Habe mir enorm viel Arbeit gemacht viele Bilder einzuscanen um endlich mitzukriegen, das fast überall die Tiefen wirklich nicht ok sein können.

Man erkennt das übrigens auch auf meinen rechten Screenshots am in den Tiefen abgeschnittenen Histogramm.

Woran kann das liegen? Ist bei allen Bildern so, der Bereich unter 27 ist immer leer und das Spektrum von Bildern mit dunkleren Tiefen beginnt bei 27 sprunghaft mit hoher Intensität. Das ist doch ein Defekt, oder? Wer kennt so etwas von Negativscannern, hat jemand einen Nikon Coolscan 4000 und kann das einmal mit SW-Negativen nachprüfen, wie kann so was zustandekommen?

Könnte mir vorstellen, dass so etwas gar nicht auffällt, wenn man in Farbe scant, bei Farbe werden ja nicht wie bei SW sämtliche Bildinformation nur über das Hell-Dunkel transportiert. Vielleicht hat man bei Farbbildern auch nicht mit so enormen Tonwertspannen wie bei SW zu tun(?).

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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von Jossie » Donnerstag 30. Juni 2016, 10:19

Guten Morgen,

kein Scanner wird Werte von wirklich 0 bis 255 liefern. Bei meinem sind die dunkelsten Werte etwa 80 (von 65535), gemessen im abgedeckten Bereich, also unbeeinflusst von analoger Verstärkung. Der Wert 27 von 255 ist schon hoch, kann aber wohl durch nichts beeinflusst werden. Ob das Dein Problem erklärt, glaube ich eigentlich nicht. Das Problem ist übrigens bei Farbbildern nicht anders als bei SW-Negativen. Man muss nur aufpassen, die Invertierung zu berücksichtigen. Daher ist es immer am Besten, man betrachtet sich bei diesen Fragen die Rohdaten, so wie sie vom Scanner kommen. Auch bei Deinen Screenshots sind doch offenbar schon Manipulationen vorgenommen worden. Das legt das Aussehen des Histogramms nahe. Ich würde übrigens bei Untersuchung dieser Fragen nicht mit den Tonwerten, sprich Histogrammeinstellungen, arbeiten.
ostbhf hat geschrieben:Auf der Tonwertskala von 0 bis 255 sind im Schatten unter 27 die Werte immer abgeschnitten/leer.
Das entspricht nicht den 14Bit, die Du verwendest. Das Maximum ist de facto 16383. Dies ist nur die Darstellung in der Software.

Man muss zweierlei Dinge unterscheiden, der Helligkeitsumfang der Vorlage und der Helligkeitsumfang des Scans. Ersteres ist fix. Beim Scan sind zwei Dinge wichtig: Kontrast und Dynamik. Kontrast beschreibt den Bereich von Intensitätsstufen, die im Scan konkret benutzt werden. Dynamik dagegen gibt die Anzahl verschiedener Pixelwerte an, die im Scan auftreten. Letzteres ist Deine Fragestellung (siehe dazu z.B. das Buch von Burger & Burge S. 42ff). Der Kontrast kann über die analoge Verstärkung beeinflusst werden, um eine optimale Dynamik zu bekommen. Die maximale Dynamik wiederum wird durch die gewählte Digitalisierung begrenzt, z.B. bei JPG mit 8 Bit auf 255 Intensitätsstufen.

Ich gehe z.B. so vor, dass ich ein leeres Dia scanne und sicher stelle, dass die Rohdaten nicht gesättigt sind (siehe obiges Histogramm). Diese Einstellung belasse ich für die meisten Bilder, es sei denn, das Original ist zu dunkel (unterbelichtetes Dia, überbelichtetes Negativ). Dann versuche ich, durch Erhöhen der analogen Verstärkung (längere Scanbelichtungszeit) den Kontrast zu erhöhen, um bei Positiven den Bereich möglichst bis 65535 auszunutzen. Damit wird aber u.U. auch der Sockel angehoben, der den Pixelwerten bei den dunkelsten Stellen entspricht. Dies mindert wiederum den erreichbaren Kontrast.

Meine obigen Beispiele zum "tone-mapping" zeigen aber, dass bei genügend hoher Bitzahl auch in den dunklen Stellen noch genügend Information vorhanden ist, um die Details herauszuarbeiten (was aber u.U. das Rauschen im Bild erhöht). Das Grundproblem ist die optimale Visualisierung, nicht so sehr die analoge Verstärkung. Dein Beispielbild kann mit ziemlicher Sicherheit so dargestellt werden, dass man sowohl Struktur im Himmel als auch Details in der Landschaft hat. Wenn ich es recht verstehe, ist die dünne Linie quer durch das Histogramm die Gradationskurve. Sie ist in den unteren beiden Bildern nicht S-förmig sondern stufig.
ostbhf hat geschrieben:Woran liegt die geringere Qualität der Tiefen DANN, wenn nicht an zu WENIG Licht?
Ich denke, an der Visualisierung.

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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von ostbhf » Donnerstag 30. Juni 2016, 22:45

das hat mir glaube ich geholfen:
Ich gehe z.B. so vor, dass ich ein leeres Dia scanne und sicher stelle, dass die Rohdaten nicht gesättigt sind (siehe obiges Histogramm). Diese Einstellung belasse ich für die meisten Bilder, es sei denn, das Original ist zu dunkel (unterbelichtetes Dia, überbelichtetes Negativ). Dann versuche ich, durch Erhöhen der analogen Verstärkung (längere Scanbelichtungszeit) den Kontrast zu erhöhen, um bei Positiven den Bereich möglichst bis 65535 auszunutzen. Damit wird aber u.U. auch der Sockel angehoben, der den Pixelwerten bei den dunkelsten Stellen entspricht. Dies mindert wiederum den erreichbaren Kontrast.
Wenn ich ein leeres Negativ (dunkles Negativ/ganz helles Positiv) zum "kalibrieren" der Belichtung des Scanners verwende, um damit andere Bilder zu scannen, sind die Ergebnisse nicht brauchbar. Aber perfekt wird es, wenn ich ein Negativbild zum "kalibrieren" finde, das in großen Bereichen ein paar Stufen dunkler (im Negativ) ist, als die Bilder, die ich scannen möchte und in sich einen weiten Hell-Dunkel-Kontrast abdeckt. Dann kann ich das Spektrum der Bilder voll erfassen und habe zum Hellen hin noch Spielraum, um die Analogverstärkung so einzustellen, dass ich das Spektrum über die ganze Breite der Kapazität der Scansoftware (bis 255) ausbreiten kann.

Das ist allerdings schon etwas umständlich, immer zwischendurch mit speziellen Bildern die Belichtung zu kalibrieren. In NikonScan kann ich leider die Belichtung nicht manuell einstellen, nur die Analogverstärkung, aber nur in einem begrenzten Umfang.

Danke, LG

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Re: Welche Belichtungshelligkeit SW-Scanns ohne Überbelichtu

Beitrag von Jossie » Freitag 1. Juli 2016, 10:02

Guten Morgen,
ostbhf hat geschrieben:Wenn ich ein leeres Negativ (dunkles Negativ/ganz helles Positiv) zum "kalibrieren" der Belichtung des Scanners verwende, um damit andere Bilder zu scannen, sind die Ergebnisse nicht brauchbar.
So ganz habe ich Dein Vorgehen allerdings nicht verstanden. Da war wohl auch ein Missverständnis! Der maximale Kontrast wird erreicht, wenn man bei einem leeren Diarähmchen die analoge Verstärkung so einstellt, dass am hellen Ende keine Sättigung eintritt. Damit ist für normalbelichtete Scans alles festgelegt. Nur bei überbelichteten Negativen, die im Scan nicht den ganzen Bereich bis 255 überdecken, wird dann die Belichtungszeit über die analoge Verstärkung angehoben.

Wenn ich es recht weiß, verwendet VueScan den Vorschauscan, um die analoge Verstärkung so anzupassen, dass möglichst der volle Kontrast genutzt wird. Du könntest ja mal die Demo-Version von VueScan herunterladen und schauen, ob Du damit mehr Erfolg hast. Das ginge dann automatisch.

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