Erfahrungsbericht Hybrider Workflow

Fragen/Themen aus den Gebieten Scannen, Bildbearbeitung, Farbmanagement etc.
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sbaechler
Beiträge: 11
Registriert: Mittwoch 29. Februar 2012, 22:58

Erfahrungsbericht Hybrider Workflow

Beitrag von sbaechler » Sonntag 11. März 2012, 17:53

Hallo

Nach einigen Jahren mit meiner D80 war ich nicht mehr so glücklich über die Low-Light Möglichkeiten von DX und entschied mich, auf FX umzusteigen.
Da die D700 schon in die Jahre gekommen war, beschloss ich, auf deren Nachfolger zu warten. Ich kaufte bereits FX Linsen auf ebay, da ich annahm, wenn ein Nachfolger heraus kommt, würden die Preise steigen. Die D800 liess aber auf sich warten und der Moment kam, wo ich eine Kamera brauchte. Die Wahl war also zwischen der D700, welche bald überholt sein würde, oder einer Filmkamera.

Ich entschied mich also für die Filmkamera.
Mit dem Body hatte ich glück. Ich fand eine gute Nikon F100 auf Ebay für ungefähr 100€.

Bei den Filmen fing aber die erste Überraschung an. Ich wollte mit Velvia 100 fotografieren. In der Schweiz verlangt Fuji aber 20 Franken (ca 16€) pro Rolle. Ich hab darum 15 Rollen plus einen Reflecta RPS7200 mit Target Dia bei Adorama in den USA bestellt. Der Film kostet dort nur 5$ pro Rolle.
Als Software hab ich Vue Scan Pro gekauft. Ich hab mir auch aus einer 30m Tageslichtspule, einer Tupperware-Dose und Fischer Technik Bauteilen eine Art Magazin gebastelt, damit ich den Film staubgeschützt einscannen kann.

Das günstigste Labor, das ich gefunden habe, war Fuji, welche 10 Franken pro Rolle verrechnet haben. Dabei ist ein 2.- Zuschlag, fürs nicht-zerschneider der Streifen. Dafür kam der ganze Film sauber zusammengeklebt auf einer 35mm Spule. Allerdings hat Fuji seither die Preise für Dia-Entwicklung auf 12.- pro Rolle erhöht.

Das grösste Problem war aber das Scannen. Ich hatte früher mal einen Minolta 5400, welcher ich verkauft hatte, als ich auf digital umgestiegen bin. Die Bildqualität war sehr gut, allerdings waren die Scanzeiten unglaublich lang. Ich hoffte, ich könnte den Scan vollständig automatisieren und bestellte darum den RPS7200.

Bild
Mein automatisiertes Scan-Setup

Die Probleme fingen aber schon beim testen des Scanners an. Vuescan stürzte ständig ab. Sobald ich versuchte, mit 7200dpi zu scannen blieb alles hängen und ich musste den Mac neu starten. Aber auch auf Windows gings nicht besser. Ich hab mich dann mit Ed Hamrick in Verbindung gesetzt und nach etwa 20 Mails hin und her und etlichen Crash logs lief es darauf hinaus, dass er für den RPS700 die Option, mit 7200dpi scannen zu können, entfernte. Angeblich hat der Scanner nämlich nur 3600dpi Auflösung. Die 7200dpi werden durch interpolation erreicht.
Meine Tests ergaben auch keinen Unterschied zwischen 7200 und 3600 dpi und somit konnte ich mit 3600dpi scannen.

Aber auch dann war ich mit den Farben nicht zufrieden. Trotz IT-8 Kalibrierung war zu viel Magenta im Bild. Auch waren Highlights ausgefressen und schatten verschwanden in einer schwarzen Masse. Beim alten Minolta waren die Scans einiges schöner.

Auch ist die Optik des RPS7200 nicht sonderlich gut. Bei Kanten mit hohem Kontrastunterschied gibt es ein 'blooming' vom hellen in den dunklen bereich. Wie wenn man eine Billig-Linse auf eine gute SLR tut.

Dan kam aber das zweite Problem. Im Batch Scan stimmte der Bildstand oft nicht. Beim Filmvorlauf traf der Scanner oft das Bild nicht richtig und scannte von nun an zwei halbe Bilder, anstelle eines ganzen. Was dazu führte, dass ich während des scannens mit Cyberview (VueScan hatte ich zurückgegeben) trotzdem neben dem Scanner sitzen musste, um den Bildstand zu kontrollieren. Ausserdem hat der Scanner den Film mehrmals komplett vor- und zurück gespult, so dass Staub und Kratzer auf den Film kamen.

Ich hab mich nun dazu entschieden, den RPS7200 wieder zu verkaufen. Ich weiss aber noch nicht, ob ich wieder einen alten Minolta kaufen, die Filme mit einem SLR-Aufsatz abfotografieren, oder ein Scanservice beauftragen soll.

Die Filme meiner letzten Reise hab ich bei digmypics scannen lassen. (Fuji 160 Film) und die Resultate waren ok. Aber die Preise inkl. Versand sind doch happig.

Hier also das Fazit:
  • Analoge Profi Bodies bekommt man fast geschenkt.
  • Filme werden immer teurer. Kodaks Zukunft ist unsicher
  • Labore werden immer seltener und teurer
  • Scannen ist zeitraubend und mühsam.
  • Man kann auf einer analogen Kamera nicht schnell die ISO hochschrauben, wenn es wenig Licht hat. Das ist der grösste Nachteil einer Filmkamera.
  • Digital fotografieren ist doch mit deutlich weniger Aufwand verbunden.
Gruss
Simon

sbaechler
Beiträge: 11
Registriert: Mittwoch 29. Februar 2012, 22:58

Re: Erfahrungsbericht Hybrider Workflow

Beitrag von sbaechler » Donnerstag 29. März 2012, 00:31

Ich hab nun den RPS7200 wieder auf ebay verkauft und dort einen alten Minolta 5400 gekauft.
Leider waren keine Filmhalter dabei, aber ich hatte Glück: Ich hab noch das letzte Paar original Ersatzteile von Minolta Schweiz bekommen.

Nun bin ich wieder mit VueScan am scannen (Die zehn Jahre alten Originaltreiber hab ich gar nicht erst installiert. Funktionieren vermutlich eh nicht.)

Die Qualität dieses 10 Jahre alten Scanners ist einiges besser als diejenige des neueren Reflecta. Besonders der Dynamikumfang ist grösser. Aber mit 5400 dpi hat er auch mehr als die doppelte Auflösung des Reflecta.

Gruss
Simon

sbaechler
Beiträge: 11
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Re: Erfahrungsbericht Hybrider Workflow

Beitrag von sbaechler » Mittwoch 4. April 2012, 00:11

Zum Vergleich mal zwei Crops. Wer einen Filmscanner sucht, dem kann ich den Minolta empfehlen.

RPS7200 links, Minolta rechts.
Bild
Die Blätter und das bunte Band haben einfach mehr Details.

Bild
Hier ist deutlich mehr Zeichnung in den Wolken zu sehen. Auch die feinen Details sind beim Minolta schöner.


Bilder in Originalgrösse:
http://www.flickr.com/photos/sbaechler/ ... otostream/
http://www.flickr.com/photos/sbaechler/ ... otostream/

Gruss
Simon

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